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Traumschöne Melodien, einfühlsame Texte

Traumschöne Melodien, einfühlsame Texte

Das britische Gitarren-Duo Ezio aus Ezio Lunedei und Mark Booga Fowell hat in der Synagoge Schweich sein neues Album "Adam and the Snake" vorgestellt. Die der Region spätestens seit einer CD-Aufnahme in den Trierer Kaiserthermen verbundenen Musiker sorgten mit gefühlvollen Balladen, fetzigem Rock und Humor für Stimmung bei 200 Zuhörern.

Schweich. Mal nicht bestuhlt ist die ehemalige Synagoge in Schweich, das schafft lockere, kommunikative Atmosphäre und Raum für ungezwungene Bewegung. Gute Voraussetzungen für die Einheizer zum Ezio-Konzert, Sänger Christoph Kaiser aus Saarburg (Klimaschock), sowie Gitarrist und Sänger Christophe Schoepp aus Metz. Als Duo "Paris Berlin" verschmelzen sie witzig und mitreißend deutsche und französische Musikkultur. Sie rappen, jazzen oder rocken in beiden Sprachen und liefern eine explosive Show, für die die Bühne eigentlich zu klein ist.
Geschichten über die Liebe


Der Auftritt der Hauptakteure wirkt dagegen erst einmal wie eine kalte Dusche. Sowohl Ezio Lunedei als auch Booga nehmen mit mürrischen Mienen ihre Plätze ein, lassen sich selbst vom stürmischen Begrüßungsapplaus zu keinerlei Lächeln oder Gruß hinreißen. Genervt reagiert Ezio auf die Nebelmaschine, mit der Akustik des Saales ist er offensichtlich auch nicht einverstanden. Er kommentiert sie später reichlich mit seinen Lieblingsvokabeln, dem englischen "F"- und dem deutschen "Sch"-Wort. Die Akustik ist auch der Grund dafür, dass das Duo zunächst ausschließlich ruhige und langsame Lieder spielt. Die allerdings haben es in sich.
Traumschöne, eingängige Melodien und einfühlsame Texte - meist über Liebesangelegenheiten - gehen einher mit filigranen Gitarrenklängen. Ezio erzeugt sie in Fingerstyle-Technik auf der Akustikgitarre, Booga ergänzt und variiert sie mit rhythmischem Spiel oder Soli auf der E-Gitarre. Zudem getragen von der warmen und gefühlvollen Singstimme Ezios sind diese Lieder zeitlose Singer-Songwriterperlen. Stilistisch changieren sie zwischen Country, Blues, Folk und Rock, entziehen sich aber einer eindeutigen Schublade. Sie kommen gut an, einige Fans tanzen oder wiegen sich dazu, der Applaus ist stets kräftig. Das bringt Ezio langsam zum Auftauen. Endgültig bricht das Eis, als das Duo nach einer italienisch gesungenen Ballade, quasi als Testballon, ein fetziges Stück mit Latin-Rhythmus und Flamenco-Anklängen steigen lässt. Da wird klar, dass laute und schnelle Songs doch im Raum funktionieren, zumindest die Zuhörer kein Problem mit etwaigem Echo-Brei haben. Das wirkt wie ein Katalysator. Plötzlich ist Energie und Schwung im Konzert, nun geht buchstäblich die Post ab. Es kommen immer mehr rockige Titel zum Mitklatschen und Tanzen, zum Beispiel das vom Publikum gewünschte "Alex". Und Ezio packt auch seinen Humor aus, der sich aber meist unter der Gürtellinie bewegt.
Er singt, wie ein Ehemann seine Frau plötzlich auf einer Pornoseite entdeckt, befindet, dass die Kronleuchter der Synagoge in einen Swingerclub passen würden oder witzelt über den Tripper. Egal, die Leute haben Spaß, und es folgt auch noch jede Menge mitreißende und virtuos gespielte Musik.
So bleibt nach zwei Konzertstunden das Gefühl, einen tollen Abend erlebt zu haben.