1. Region
  2. Kultur

Traurige Flugenten und rachedurstige Brathähnchen

Traurige Flugenten und rachedurstige Brathähnchen

Mit ihrem Liederabend "Flugenten" malten "Schwarz un Schmitz" in der Tufa das triste Bild einer kalten, unglücklichen Gesellschaft. Dem musikalisch überzeugenden Duo fehlte es in der Darbietung an Zugkraft.

Trier. (sys) "Warum ist alles so traurig?", will Sängerin Meike Schmitz von ihrem Pianisten David Schwarz wissen. Aber dem mundfaulen und schüchtern wirkenden Mann an den schwarz-weißen Tasten ist kaum ein Wort zu entlocken. Zwar haben die beiden, die am Samstag im kleinen Saal der Tufa mit ihrem musikalischen Programm "Flugenten" auf der Bühne stehen, seit ihrem Debüt als "Schwarz un Schmitz" im Jahr 2007 an Professionalität gewonnen. Aber an Souveränität im Angesicht des Publikums fehlt es. Ein bisschen mehr "Rampensau" hätte ihrem Auftritt gut getan.

Musikalisch sind die beiden Mittzwanziger allerdings überzeugend: Sie überzeugt mit ihrer weichen, klaren Stimme oder am Fagott, er am Klavier. Ihre Titel sind Eigengewächse und rangieren zwischen Chanson, Jazz, Blues, Bossa und Pop. Zuhause sind beide Musiker im Jazz. Die Texte von "Schwarz un Schmitz" sind deutsch, poetisch und geistreich. Ihren Wert zeigen sie umso mehr, als sie von hinlänglich vertonten Themen wie Einsamkeit, Trennung, Freundschaft, Umweltzerstörung und sozialer Kälte handeln, aber in ihrem Ausdruck sind sie keineswegs abgegriffen, sondern erfrischend pointenreich.

Die zwei Stunden mit den "Flugenten"-Liedern sind leise bis zum Schlaflied, nachdenklich, vielen Zuhörern aber zu schwermütig. Auch Meike Schmitz' Versuch, ihrem Partner ein Gegenmittel für Traurigkeit zu entlocken, bleibt erfolglos. Wenngleich ein Quentchen schwarzer Humor in seinem Lied über das Schicksal von Brathähnchen in der sonst so zurückhaltenden Klangart aufflackert. Aus dem gesellschaftskritischen Text tritt die warnende Szenerie von wütenden halben Hähnchen, die in rachedürstenden Horden unsere Häuser stürmen werden.