"Trier, Du bisch elektrisch"

"Trier, Du bisch elektrisch"

TRIER. Diesmal führte ihn sein Weg an die Mosel: Der Soulsänger Xavier Naidoo hat am Wochenende Station in Trier gemacht. 8000 begeisterte Fans feierten den Sohn Mannheims beim Konzert in der Arena, präsentiert vom Trierischen Volksfreund.

Er brauchte nur die Bühne zu betreten, und schon gerieten die rund 8000 Fans in Verzückung - nicht nur die weiblichen. Familien mit Kindern im Grundschulalter, Teenager, die wahrscheinlich noch am Tag zuvor bei Tokio Hotel die Fassung verloren hatten, Frauen und auch zahlreiche Männer bis in die Mittvierziger ließen sich vom Soul-Pop-Poeten Xavier Naidoo in der ausverkauften Arena mitreißen. Bei seinem Auftritt hätte er auch das Telefonbuch vorsingen können, es hätte die Fans nicht weiter gestört. Hauptsache, er singt. Mit seiner weichen, souligen Stimme, die der 34-Jährige früher in Gospelchören erklingen ließ, konnte er gar nichts falsch machen. Sehr zur Freude seiner Fans zitierte Naidoo aber nicht die Gelben Seiten, sondern seine Hits wie "Wo willst Du hin", "Man erntet was man sät", "Himmel über Deutschland", "20 000 Meilen über dem Meer" und "Dieser Weg". Ein Soldat Gottes

Unterstützt wurde er bei seinem alles andere als steinigen Weg auf der Arena-Bühne und dem Steg inmitten der Halle von mehr als einem Dutzend Musikern, Sängern und Rappern, die für musikalische Vielfalt sorgten. Egal, ob Rap, Soul oder Gospel - angehaucht waren die meisten Lieder des in einen grünen Armeeparker gehüllten Soldaten, pardon, Sänger Gottes, von Gesellschaftskritik und Gotteslob. "Ihr wart dem Abgrund noch nie so nah", lautete eine düstere Prophezeiung des Abends. Aber Xavier Naidoo brachte auch frohe Kunde nach Trier: "Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir zusammen." Apropos zusammen: Mit Christian, einem weiteren Sohn Mannheims, klärte Naidoo die Besucher über die Schwierigkeiten einer Liebeserklärung im "Mannemmer" Dialekt auf. Mit den Worten "Isch liebe disch", rufe man bei der Damenwelt keine Begeisterungsstürme hervor. Mit "Trier, Du bisch elektrisch" elektrisierten sie jedoch das Trierer Publikum. Beispielsweise zwei junge Blondinen, die sich weit vorne einen Platz gesichert hatten, um den Sänger nie aus den Augen zu lassen. Als Naidoo sang, "Ich kenne nichts, das so schön ist wie du", trällerten sie enthusiastisch mit; abwechselnd in dessen Richtung oder in die der Freundin. Gegen Ende des Liebeslieds lagen sie sich singend in den Armen und kamen damit der Aufforderung des Sängers nach, alle sollten zusammenrücken. Ganz nah wollten sie Xavier Naidoo auch bleiben, als dieser nach rund zwei Stunden sein vorerst letztes Lied ankündigte. "Wir woll'n den Xavier sehn", forderten sie lautstark. Mit dem Lied "Abschied nehmen" verabschiedete er sich dann tatsächlich, aber mit dem Versprechen, "dass wir uns wieder sehen".

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