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„Trier ist im Herzen der Mütter verankert“ – Eure Mütter freuen sich auf die Show im Carpitol

Interview mit Andi Kraus von Eure Mütter : „Trier ist im Herzen der Mütter verankert“ – Eure Mütter freuen sich auf die Show im Carpitol

Andi Kraus vom Comedy-Trio Eure Mütter verrät, was die drei während der Corona-Krise so treiben und was sie jetzt kaum erwarten können.

Sie duschen sich auf der Bühne synchron mit Shampoo und singen über die Schlange vor dem Damenklo: Gemeint sind damit Matze, Don und Andi – Eure Mütter. Einer der drei Mütter ist Andi Kraus. Er erzählt im Volksfreund-Interview von der Corona-Zwangspause und warum das Comedy-Trio sich so auf die Autokino-Shows freut.

Hallo Andi! Wie ist bei euch derzeit die Lage, geht es allen Müttern gut?

ANDI KRAUS Wir sind alle gesund, ja. Im weiteren Familien- und Freundeskreis haben wir ein paar wenige Corona-Betroffene, die aber auch schon wieder genesen sind. Einer unserer ältesten Freunde hing deswegen zum Beispiel zwei Wochen lang ziemlich in den Seilen. Und der ist in unserem Alter, also dieses Virus ist echt kein Spaziergang.

Was macht ihr denn momentan so, wenn ihr nicht auftretet? Seid ihr zu Hause bei euren Familien?

KRAUS Wir sind tatsächlich im Moment hauptsächlich Familienväter. Das ist natürlich sowieso auch in normalen Jahren wichtig, wir halten uns eigentlich auch immer alle Schulferien frei. Aber da in diesem Jahr alles ein bisschen anders ist und wir zum Beispiel Auftritte verlegen mussten, probieren wir jetzt eben, die unerwartet freie Zeit als Familienzeit zu nutzen.

Das ist bestimmt schön, kann aber auch mal anstrengend sein, oder?

KRAUS Es ist voll schön! Es wäre aber noch etwas schöner, wenn man wüsste, ab welchem Zeitpunkt wieder eine gewisse Normalität da ist. Die Ungewissheit für die ganze Künstlerblase im Moment, die drückt natürlich ein bisschen aufs Gemüt.

Macht ihr euch denn auch Sorgen, was eure Arbeit angeht?

KRAUS Nein, Sorgen machen wir uns nicht. Wir sind relativ optimistisch, dass die Leute auch nach Corona immer noch Bock auf Spaß haben und dass es irgendwann wieder möglich sein wird, zu spielen. Aber wir vermissen momentan auch die Bühne so ein bisschen.

Arbeitet ihr denn in der unerwartet freien Zeit an neuen Inhalten?

KRAUS Wir haben ja quasi grade eben erst die Premiere von unserem neuen Programm gefeiert. Da arbeiten wir immer etwa so ein knappes Jahr dran und hauen das dann raus – seit ungefähr 20 Jahren ist das so unser Rhythmus. Über dieses eine Jahr hast du dann ganz viel kreativen Ausstoß, aus dem das neue Programm entsteht. Und in der Zeit bist du dann oft gar nicht so scharf drauf, viel zu schreiben. Jetzt grade wäre eben genau die Zeit, in der wir viel in Deutschland unterwegs wären und die neue Show spielen würden. Also letztes Jahr wäre die Auszeit sozusagen etwas praktischer für uns gewesen (lacht). Wir sind im Moment aber zum Beispiel dabei, unsere ganzen Shows streamfähig zu machen und wir haben kürzlich auch mal zwei Live-Streams gemacht. Das waren aber auch fast die einzigen Male, an denen wir uns gesehen haben – ansonsten machen wir drei Videokonferenzen und tauschen uns da aus.

Für die, die sich die Live-Streams mit dem schönen Namen „Sexytime mit Eure Mütter“ nicht angesehen haben – was gab es denn da so zu sehen?

KRAUS Die Sprechstunde war das, genau. Erst mal haben wir Fragen von Fans auf Instagram oder Facebook gesammelt und dort dann ein paar davon plaudernd beantwortet. Wir haben über die vergangenen Wochen geredet und wie es uns so ergangen ist, wir hatten uns nämlich zu dem Zeitpunkt acht Wochen lang gar nicht gesehen. Das ist in den letzten 20 Jahren tatsächlich noch nie passiert. Außerdem hatte jeder von uns etwas Kleines zum Live-Stream mitgebracht. Matze hatte ein paar alte und lustige Fotos und Briefe mitgebracht. Ich habe die beiden mit einem Anruf von unserem Freund und Kollegen Pierre M. Krause überrascht, mit dem wir dann geskyped haben. Und Don hat ein paar alte Probenvideos aus seinem Video-Archiv ausgegraben. Das haben wir uns gegenseitig und gleichzeitig den Zuschauern gezeigt und das Ganze war eigentlich ziemlich nett (lacht).

Ihr habt ja demnächst ein paar Autokino-Auftritte auf dem Plan, darunter der Termin im Trierer Messepark am 7. Juni. Seid ihr schon mal in einem Autokino aufgetreten oder ist das für euch das erste Mal?

KRAUS Nein, das haben wir tatsächlich noch nie gemacht. Wir haben schon mit ein paar Kollegen geredet, einige machen das ja schon seit ein paar Wochen, und die Meinungen sind ganz unterschiedlich. Die meisten fanden es ganz cool, ein paar haben gesagt „Einmal und nie wieder!“, es kommt also drauf an. Wir haben immer darauf geachtet, dass der Veranstalter uns garantiert, dass das alles schön eingefangen wird von den Live-Kameras und die Gegebenheiten stimmen, weil wir finden: Wenn die Leute sich schon die Mühe machen, sich ins Auto setzen, uns durch die Windschutzscheibe anschauen und über das Autoradio hören, dann sollte das Drumherum auf jeden Fall stimmen. Wir drei haben uns glaube ich ein tolles Programm dafür ausgedacht. Dafür schöpfen wir aus den vollen 20 Jahren, also ein paar Nummern aus dem neuen Programm, aber auch ein paar alten Sachen, die wir selber seit ungefähr 18 Jahren nicht mehr gespielt haben.

Das klingt so, als würdet ihr die Autokino-Shows nicht einfach nur als notwendige Notlösung sehen. Freut ihr euch darauf?

KRAUS Wir haben mega Bock drauf, wir können es eigentlich kaum erwarten (lacht). Wir freuen uns auf die neue Situation und speziell auch auf die Show, die wir extra dafür zusammengestellt haben, weil da einige Sachen drin sind, die wir selber erst mal wieder üben müssen. Dabei bringst du dich dann auch wieder gegenseitig sehr zum Lachen, weil es etwas Neues außer der Reihe ist, neben den Sachen die du über zwei Jahre fast jeden zweiten Abend spielst.

Euer Ersatztermin für die ursprünglich im März geplante Show in der Trierer Europahalle steht am 18. September an. Wie ist euer Gefühl, wenn ihr an das potenzielle Risiko für euch oder für eure Fans denkt?

KRAUS Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es sowieso vermessen, zu sagen „Klar, das findet auf jeden Fall statt!“ Die Europahalle ist ja nicht unbedingt klein. Allein für den Termin im März hatten wir schon rund 1000 Karten verkauft. Wir hoffen natürlich, dass die Termine, die wir im September haben, stattfinden können. Wir tun aber alles dafür, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, sowohl für uns als auch für unsere Zuschauer. Als wir Anfang des Jahres noch Shows gespielt haben, sind wir zum Beispiel nach der Show nicht mehr zu den Fans gegangen um zu signieren oder Fotos zu machen, was wir normalerweise immer getan haben. Man tut sein Möglichstes, um die Gefahr zu verringern, aber es gibt auch ständig neue Erkenntnisse. Momentan ist ja Aerosole das neue heiße Stichwort. Da muss man eben immer neu bewerten, ob man die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen umsetzen kann. Vielleicht ist in acht Wochen der Kenntnisstand wieder ganz anders, das wissen wir leider jetzt noch nicht so genau.

Wünscht ihr euch denn, bald wieder mehr Normalität zu haben und dadurch auch vielleicht bald wieder außerhalb der Autokinos auftreten zu können?

KRAUS Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre es nicht, dass es sich total schnell normalisiert, sondern dass es sich stabil normalisiert. Lieber sollten wir uns alle noch ein bisschen gedulden und verstehen, dass das gerade eine große Herausforderung ist, für die wir Einschränkungen hinnehmen müssen. Wenn dann das Ergebnis ist, dass wir annähernd wieder dahin kommen, wo wir 2019 waren, wäre das schön. Ansonsten hoffen und vertrauen wir immer auf das Beste, dieser Zweckoptimismus ist dir als darstellender Künstler sowieso ein bisschen antrainiert (lacht). Wir sind uns sicher, dass unsere Zuschauer uns nach wie vor treu bleiben und wiederkommen, wenn sie dürfen. Es sieht zum Glück auch danach aus, denn als wir die Autokino-Termine bekanntgegeben haben, hat uns eine „Hurra, endlich geht’s wieder los“-Welle überrollt, das macht natürlich dann schon Spaß. Und wenn das Wetter schön ist, dann drehen manche zum Beispiel das Autoradio auf und setzen sich auf die Motorhaube und essen da Popcorn. Das ist dann eigentlich wie ein geiles Open-Air, das bei schlechtem Wetter aber nicht abgesagt wird (lacht).

Auch wenn derzeit dieses eher nicht so lustige Thema unseren Alltag dominiert: Habt ihr durch die Corona-Krise neue Gag-Inspirationen bekommen und die ein oder andere Nummer mit ins Programm aufgenommen?

KRAUS Das wollen wir vermeiden. Klar, du hast als Comedian für jede Situation spontan ein paar blöde Witze parat, aber wir möchten, dass die Leute bei uns einfach mal für zwei Stunden an etwas anderes als an die Pandemie denken können.

Ihr tretet, falls alles klappt, demnächst innerhalb von ein paar Wochen zwei Mal in Trier auf. Gibt es etwas, das ihr mit Trier verbindet?

KRAUS Wir haben sogar einen besonderen Bezug zu Trier, weil Matze dort Familie hat. Das heißt, Matze ist auch privat öfter mal da. Don und ich konnten schon davon profitieren, dass er die Stadt schon gut kennt und uns kleine Führungen gegeben hat. Das ist auch oft das Problem: Wir kennen eigentlich jede Stadt in Deutschland, aber 90 Prozent davon kennen wir nicht gut. Du kommst halt an, baust auf, machst Soundcheck, spielst die Show, frühstückst am nächsten Tag im Hotel und musst dann eigentlich auch schon weiter in die nächste Stadt. Die Ausnahmen sind entweder die Städte, in denen man mehrere Tage spielt – oder eben die, in denen mindestens einer von uns einen gewissen Bezug hat, und bei Trier ist das so. Wenn wir da ankommen, dann setzen wir uns nicht wie in Gießen oder Kassel in unseren Backstage-Raum und machen Bürokram, sondern dann sagt Matze: „Ich zeig euch was!“ Deswegen ist uns Trier immer außergewöhnlich gut in Erinnerung geblieben und im Herzen der Mütter verankert (lacht).

Eure Mütter treten am Sonntag, 7. Juni, im Trierer Autokino Carpitol im Messepark mit ihrem „Autokino Spezial“ auf. Tickets gibt es auf www.carpitol-trier.ticket.io zu kaufen.