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Trier: Mehr Kultur für den leerstehenden Palais-Walderdorff-Keller

Neues Projekt der Stadt Trier : Mehr als nur Partys: Wie der alte „Palais“-Keller zur Kulturstätte werden soll

Mehr regionale Kultur für den leerstehenden Palais-Walderdorff-Keller: Was die Stadt Trier mit der früheren „Grünen Rakete“ am Domfreihof vorhat – und warum sich ein Trierer Ensemble dort ein „Luftschlösschen“ baut.

Das Palais Walderdorff, der gewaltige Gebäudekomplex am Domfreihof, hat eine lange Historie. Um die 1000 Jahre alt ist der Turm Jerusalem, der älteste Teil. Nur ein paar Meter weiter, ebenfalls im Palais: Der Keller unter der Adresse Domfreihof 1b ist als Veranstaltungsstätte noch sehr jung, nur gut 20 Jahre alt. Und hat doch schon reichlich Geschichte.

Peter Stablo erinnert sich noch an die ersten Eindrücke vom Raum, noch vor der Sanierung Ende der 1990er: „Das war zuvor der Heizungskeller des Palais Walderdorff, da stand noch alles voller Tanks“, sagt der Trierer Kulturanbieter (Kultur Raum), der damals den Veranstaltungsbereich des Palais e.V. leitete.

 Der historische Gewölbekeller ist mit sechs Meter Deckenhöhe deutlich luftiger als andere historische Konzert- und Partylocations in der Nähe – etwa als der Exhaus- oder MJC-Keller oder auch das „toni“, ebenfalls im Palais Walderdorff. Das war seit den frühen 90ern bis zur Sanierung als „Palais“ bekannt, vorher als „Tönnchen“ oder „Drei-Tonnen-Club“.

„Wir haben damals die Zwischenetage eingebaut, mit einem Glassteg“, berichtet Stablo. Daraus wurde der Raucherbereich. An der Optik hat sich seitdem eher wenig geändert.

Seit Jahren ungenutzt

Die Namen und Betreiber wechselten aber mehrfach. Vom „Palais“ (so hieß die Location auch nach dem Umzug vom heutigen „toni“ in den früheren Heizungskeller) zur „Produktion“. Vom „KulturGut“ über die „Grüne Rakete“ zur „Ex-Rakete“. Keiner blieb sehr lange im zentralen Keller, der nun seit Jahren ungenutzt ist – auch schon vor der Corona-Pandemie gab‘s dort keine Partys oder Konzerte mehr.

 Geradeaus: der Turm Jerusalem, rechts hinter dem Bogen geht‘s in die Stadtbücherei - und gleich daneben, eine Etage tiefer, geht‘s in den Gewölbekeller. 
Geradeaus: der Turm Jerusalem, rechts hinter dem Bogen geht‘s in die Stadtbücherei - und gleich daneben, eine Etage tiefer, geht‘s in den Gewölbekeller.  Foto: Roland Morgen

Das soll sich jetzt ändern. Ab Samstag, 29. Januar, wird der Keller den Namen „Luftschlösschen“ tragen – aber auch dieser Name wird nicht von Dauer sein. Das ist aber in diesem Fall Teil des Konzepts. „Wir wollen den Leerstand mit Leben füllen“, sagt Mihails Gubenko von der „Bühne1“. „Luftschlösschen fanden wir als Name des alten Palais sehr passend.“

Das Ensemble wird in den kommenden sechs Wochen das Programm im „Luftschlösschen“ gestalten. Vielseitig soll es sein, spartenübergreifend. Zum Auftakt am Samstag  gibt’s ein Konzert der Musikerinnen Isabelle Pabst und PIJA. Es folgen ein Schauspiel-Workshop, ein Filmabend mit Diskussionsrunde, eine Ausstellung und weitere Konzerte. Zum Auftakt hat sich auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer angekündigt, die die Schirmherrschaft über die Reihe übernommen hat. Die Veranstaltungen werden unter 2G-plus-Regeln über die Bühne gehen, mit Maskenpflicht.

Städtisches Projekt ab Ende April startet im alten „Palais“-Keller

Die Rückkehr der Kultur in den Keller soll sich dabei nicht auf die kommenden sechs Wochen beschränken, die wohl noch stark von der Pandemielage mitbestimmt werden. Ab Ende April soll ein städtisches Projekt für den Keller starten, teilt Triers Kulturdezernent Markus Nöhl dem TV mit: „Aktuell findet ein Gestaltungswettbewerb mit dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier statt, in dem eine Gestaltungslinie gefunden werden soll für ein frisches Image und einen passenden Namen.“

Interessierte freie Kulturinitiativen können sich mit einem temporären Nutzungskonzept beim Amt für Stadtkultur und Denkmalschutz bewerben: „Die Räumlichkeiten sollen grundsätzlich für alle Gruppen, Vereine und Kulturschaffende unabhängig von einem Sitz in Trier offenstehen. Dabei soll sichergestellt werden, dass mindestens die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeitfenster von regionalen Akteuren bespielt werden.“ Angesprochen seien vor allem gemeinnützige Akteure, „jedoch steht auch kommerziellen Anbietern die Bewerbung offen“.