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Trier: NS-Raubkunst im Stadtmuseum gefunden - Erbin erhält Gemälde zurück

Kunst : NS-Raubkunst in Trier: Stadtmuseum gibt gestohlenes Gemälde zurück

Lange galt es als verschollen, jetzt kann ein von den Nazis gestohlenes Gemälde an die Erbin des früheren Eigentümers zurückgegeben werden. Wie es dazu kam.

Sein Alter sieht man ihm gar nicht an: Das Ölgemälde „Eissegeln“ aus dem Jahr 1610 ist bis heute gut erhalten – und sehr wertvoll. Zu sehen war es bis vor kurzem im Stadtmuseum Simeonstift an der Porta Nigra. Dass es sich um ein in der NS-Zeit gestohlenes Bild handelt, kam erst viele Jahre später ans Licht.

Trier: NS-Raubkunst im Stadtmuseum gefunden - Erbin erhält Gemälde zurück
Foto: TV/Anja Theis

Ein niederländisch-jüdischer Kunsthändler war der ursprüngliche Besitzer

Doch von Anfang an: Das Bild gehörte dem niederländisch-jüdischen Kunsthändler und Sammler Jacques Goudstikker (1897-1940). Nachdem die Niederlande von schweren Luftangriffen getroffen und Rotterdam von der deutschen Wehrmacht bombardiert worden war, wollte Goudstikker mit seiner Familie in die USA fliehen. Er überlebte die Überfahrt jedoch nicht – bei einem Sturz auf dem abgedunkelten Schiff brach er sich das Genick. Seine Witwe ließ ihn in Großbritannien begraben und flüchtete mit dem gemeinsamen Sohn weiter nach New York.

Nur wenige Wochen, nachdem die Goudstikkers die Niederlande verlassen und die Galerie aufgegeben hatten, beschlagnahmte Hermann Göring etwa 1100 Werke und nahm sie mit nach Berlin. Einige behielt er selbst, andere verschenkte er an Parteifreunde und Hitler, der Rest wurde verkauft.

Wie kam das Bild nach Trier?

So erwarb der Industriemanager und Kunstliebhaber Dr. Martin Schunck (1900-1987) das Gemälde im September 1940 für 8000 Reichsmark als „Eislandschaft“ des niederländischen Künstlers Adam van Breen. Die Reise des alten Ölgemäldes nach Trier begann erst im Jahr 1987: Als Schenkung des Nachlasses von Dr. Martin Schunck fand es seinen Weg ins Trierer Museum, wo es in der Dauerausstellung gezeigt wurde.

Bei Besuchern kam das Bild gut an, was vor allem an der künstlerischen Qualität, seinem guten Erhaltungszustand und seinem ungewöhnlichen Thema lag. Denn: Boote, die auf dem Eis segeln, waren ein seltenes Vergnügen und wahrscheinlich nur der reichen Oberschicht vorbehalten.

Wer der Künstler ist, kann bis heute nicht eindeutig festgestellt werden. Lange galt es als Werk von Adam van Breen, wie auch die Künstlerplakette auf dem Rahmen vermuten lässt. Ein ähnliches Bild, das in Den Haag ausgestellt wurde, wurde jedoch dem Maler David Vinckboons zugeschrieben.

Bei einer Überprüfung war eine Erkenntnis jedoch wichtiger: Bei Nachforschungen erhärtete sich der Verdacht, dass es sich um Raubkunst handelt, da das Gemälde seit 2019 bei Lost Art, einer Datenbank für verlorene und gestohlene Kunst, registriert ist.

Die Stadt Trier nahm daraufhin Kontakt mit dem Rechtsanwalt Dr. Eward Volhard, dem Administrator und Koordinator des „Goudstikker Art Research Project“ (siehe Info), auf, um das zu überprüfen und die Restitution, also die Rückerstattung unrechtmäßig enteigneter Kulturgüter, in Aussicht zu stellen. Was am Dienstag der Fall war, denn es handelt sich bei dem Bild wie bereits vermutet um ein Stück aus Goudstikkers Sammlung.

Gemälde wird in Trier seiner rechtmäßigen Erbin zurückgegeben

Für die symbolische Übergabe reiste Volhard als Bevollmächtigter der Erbin ins Stadtmuseum. Dabei handelt es sich um die Schwiegertochter von Jacques Goudstikker, die sich seit Jahren bemüht, die Sammlung wieder herzustellen. Sie selbst lebt in New York.

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe sprach von einer „moralischen Verpflichtung“, das Bild seiner rechtmäßigen Erbin zurückzugeben. Auch Kulturdezernent Markus Nöhl befürwortete die Entscheidung. „Es ist unrecht geschehen, da ist es nur recht, es heute wieder gutzumachen.“ Für Elisabeth Dühr, die Direktorin des Museums, endet somit eine lange Reise. Sie sei froh, dass es zu dem Abschluss gekommen sei.