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"Trier will das Theater"

"Trier will das Theater"

TRIER. Der designierte Hausherr des Trierer Theaters kam mit Begleitung zum Interview: Seine Ehefrau nutzte die Gelegenheit, zum ersten Mal Trier-Luft zu schnuppern. Die Stadt zeigte sich wettermäßig von ihrer besten Seite, entsprechend sonnig war die Atmosphäre.

Herr Weber, Sie übernehmen ein Theater in Zeiten, da anderswo Häuser geschlossen, Sparten abgebaut und finanzielle Mittel reduziert werden. Auch Trier ist ziemlich arm. Wissen Sie eigentlich, worauf Sie sich da einlassen? Weber: Ich habe schon genau abgewogen, was ich in Hannover aufgebe. Aber ich habe den Eindruck, dass die Stadt und der Stadtrat in Trier voll hinter dem Haus stehen. Man will das Theater. Und das ist eine gute Arbeitsgrundlage. Auf gutem Willen allein lässt sich die Leitung eines 200-Mitarbeiter-Betriebs aber kaum aufbauen. Wie wollen Sie die Existenz des Theaters auf Dauer sichern? Weber: Wichtig ist der Identifikationsfaktor. Die Leute müssen sagen "Das ist unser Theater". Ich werde durch die Stadt und die Region reisen und überall werben. Wir müssen versuchen, knappere öffentliche Mittel durch noch bessere Einspiel-Ergebnisse und noch mehr Sponsoren-Mittel zu kompensieren. Wenn neue Intendanten kommen, werfen sie oft als erstes das bestehende Ensemble raus. Wird bei Ihnen auch alles neu sortiert? Weber: Es wird überall nur mit Wasser gekocht. Ich werde mir in den nächsten Monaten ein Bild von der Qualität der einzelnen Ensembles machen. Wo ich die Qualität verbessern kann, ist es natürlich mein Recht und meine Pflicht als Intendant, das zu tun. Sie erben, ob sie wollen oder nicht, mit der Trierer Intendanz auch die Antikenfestspiele mit. Dort lautete das Motto bislang "Antike Mythen in antiken Stätten". Haben Sie schon Ideen für die künftige Entwicklung? Weber: Auf jeden Fall sind die Festspiele für mich ein Anreiz gewesen, das Amt zu übernehmen. Ich habe in Hannover schon Erfahrungen mit Freilicht-Theater gesammelt, unter anderem mit Künstlern wie Heinz Rudolf Kunze und Konstantin Wecker, mit denen wir Musicals gemacht haben. Ich denke nicht, dass man sich in Trier ausschließlich an antike Stoffe binden sollte. Sie sind Regisseur und Intendant. Die beiden Funktionen können ja gelegentlich in Interessen-Konflikte geraten. Wissen Sie schon, wo Sie dann Ihre Priorität setzen? Weber: Das ist gar keine Frage. In erster Linie bin ich Leiter eines Theaters. Und diese Aufgabe stellt jede Menge Ansprüche. Als Regisseur habe ich mich im übrigen im Sprech- und im Musiktheater lange genug "ausgetobt", um mich in diesem Bereich nicht erst profilieren zu müssen. Die Fragen stellte unser Redakteur Dieter Lintz.