Trierer Bachchor in großer Form

Trier · Der Trierer Bachchor hat über 300 Freunden der sakralen Musik das richtige Programm für einen verregneten Sonntagnachmittag geboten. In der Basilika gibt es bewegende und poetische Chor- und Orgelliteratur.

Trier. Vom Läuten der Kirchenglocken lässt sich Martin Bambauer nur ganz kurz irritieren. Dann gibt er beherzt den Einsatz für das letzte Lied des Nachmittages, "Sleep", eine poetische Komposition des 1970 geborenen Eric Whitacre, der bereits heute schon zu den modernen Klassikern der Chorliteratur zählt. Zu Recht, wie die zarte Version des Trierer Bachchores zeigt. Bambauer hat am Sonntagnachmittag ein die Jahrhunderte umspannendes Programm aufgelegt, von William Byrd (um 1540-1623) über Anton Bruckner (1824- 1896) bis zu den Zeitgenossen Carl Rütti (geboren 1949) und Morten Lauridsen (geboren 1943) spannt sich der Bogen.
Zwischen den Chorälen spielt der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde und Leiter des Ensembles Variationen auf der kleinen Orgel der Basilika - der Spendenerlös des Konzertes (Eintrittsgeld wurde nicht erhoben) wird für die neue, große Orgel verwendet, die 2014 gebaut werden soll. Dann kann in der Unesco-Welterbestätte, die in besonderer Weise Kirche, Kultur und Geschichte verbindet, wieder groß aufgespielt werden.
Der erste Teil des Konzertes ist den alten Meistern wie Gibbons und Buxtehude gewidmet - kontemplative Musik. Dann die tiefreligiöse und bewegenden Kompositionen von Sigfrid Karg-Elert, Bruckner und Albert Becker: Mancher im Publikum lauscht ergriffen, mit geschlossenen Augen. Zum Abschluss die Poesie der Zeitgenossen um Whitacre, dankenswerterweise hat Bambauer die Texte ins Programmheft genommen.
Der Bachchor beweist einmal mehr sein großes Können, schwierigste Literatur wird fehlerfrei gemeistert, mit beeindruckender Präzision und Artikulation und in schöner Harmonie der einzelnen Stimmen. Viel Applaus nach 80 Minuten.

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