Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Jahresausstellung 2019

Ausstellungen : Vielfältig lebendige Kunstszene. „Die hier geht mir zu Herzen“

Die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst gibt in ihrer Jahresausstellung in der Tufa einen guten Einblick in das vielfältige Schaffen und die künstlerische Entwicklung seiner Mitglieder.

„Kunst muss ergreifen“, sagt ein Besucher und sieht dabei sichtlich zufrieden aus. „Die hier geht mir zu Herzen.“ Die Rede ist in diesem Fall von meist zweidimensionaler Kunst. Ihre traditionelle Jahresausstellung präsentiert die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst derzeit in der Tufa.

Die aktuelle  Jahresschau ist eine unjurierte  Ausstellung, die nicht nur die Vielfalt der Bildsprachen und  der künstlerischen Zugriffe spiegelt. Sie erfüllt auch eine der Aufgaben, die Kunstvereine heute haben. Neben dem traditionellen Anliegen, der Region Fenster zu neuen Ästhetiken zu öffnen und Experimente zu ermöglichen, sollen  die Vereinigungen das regionale  Kunstschaffen fördern und ihren Mitgliedern eine Plattform bieten, sich zu präsentieren. „Wir wollen mit  dieser nicht jurierten Ausstellung allen unseren Vereinsmitgliedern  eine Möglichkeit geben, einmal im Jahr auszustellen“, bestätigt Andreas Hamacher, der Vorsitzende der Kunstvereinigung. Dem Angebot an die gesamte Künstlergemeinschaft sollen allerdings weitere Ausstellungen  folgen, zu deren Teilnahme sich die  Mitglieder der Gesellschaft einer Jury stellen müssen.

Auch Hamacher will Fenster aufstoßen und den Blick weiten. So sollen Künstler des Vereins angeregt werden, neben der eigenen Beteiligung  an Ausstellungen künftig auch Gäste mitzubringen. Fast 50 Künstler sind in diesem Jahr der Einladung zur Jahresausstellung gefolgt. Zwei mal zwei Meter Fläche stehen jedem  Teilnehmer zur Verfügung. Was sich dabei darstellt, ist eine Fülle ganz unterschiedlicher, in jedem Fall authentischer Positionen,  in denen sich die Dringlichkeit zeigt, mit der hier künstlerisch gearbeitet wird. Es ist eine im Schnitt ansehnliche Schau, die mit ihren meist neuen Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahren  einen guten Einblick in das vielfältige Schaffen und die künstlerische Entwicklung der Vereinsmitglieder gibt. Malerei und Mischtechniken stellen den größten Teil der Exponate. Dazu kommen Fotografie und wenige Skulpturen, Collagen, Keramiken, wenig Graphik und eine Installation.

Zu entdecken gibt es durchaus Neues. So ist Matthias Strugalla  als Zeichner weit malerischer und poetischer geworden. Seine hier präsentierte Arbeit  erinnert an ein fernöstliches Landschaftsbild. Eine spannende Neuentdeckung, die man sich merken muss  ist René Dietle mit seinen  Kartentischen und seiner gezeichneten Kartographie der sich in Landkarten verdichtenden Zeit. Ausgesprochen witzig kommt Karin Waldmanns gleichsam poppige  Ausgabe von Horst Antes Kopffüßlern daher.

Feinen dynamischen Zeichnungen gleich präsentiert sich Gerhard Freisings Choreografie bewegter Stahldrähte. Ästhetisch und formal überzeugend reflektiert Maria Steinmann anhand von  Metallscheiben Positiv-und Negativform. Unter Rüdiger Kündgens Gemälden fällt eine stimmungsvolle mit energischer Geste gemalte Landschaft auf. Einmal mehr überzeugt Birte Svea Metzdorf mit ihrem ironischen Gemälde „Foodporn“, das die zeitgeistige, gerade in den sozialen Netzwerken verbreitete Manie aufs Korn nimmt, das eigene Essen abzulichten und schlechtes  fotografisch aufzuhübschen.  

Unter den Fotografen beweist Stephen Levine einmal mehr seinen Blick für Menschen. Wolfram Wetzel legt eine feinsinnige Studie zum Thema Horizont vor. Karl Willems opulenter  „Klettenstrauch“ scheint dagegen in seiner grünen Fülle fast den Rahmen zu sprengen. Von der augenscheinlichen Weichheit des Stahls berichtet Andreas Hamachers malerische Skulptur. Fazit:  Die bildkünstlerische Trierer Kunstszene bleibt lebendig.

Die Skulptur „Kopffüßler“ von Karin Waldmann. Foto: Eva-Maria Reuther

Die Ausstellung läuft bis zum 17. November. Sie ist geöffnet dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 17 bis  20 Uhr sowie am Wochenende und feiertags von 11 bis 17 Uhr.

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