Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt „Terra Incognita“ im Palais Walderdorff

Ausstellung : Kein Neuland, aber schöne Aus- und Anblicke

Die Gesellschaft für Bildende Kunst in Trier zeigt in der Ausstellung „Terra incognita“ Werke von vier etablierten Künstlerinnen.

„Terra incognita – Weißer Fleck“ heißt die neue Ausstellung im Palais Walderdorff. Dahinter verbirgt sich ein Format, mit dem die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst  nach eigenem Bekunden einmal im Jahr ihre Galerie „spontanen und experimentellen Angeboten“ öffnen will.

Vier Künstlerinnen und ihr Werk gilt es diesmal zu entdecken. Was sich dabei auf der künstlerischen Landkarte als Neuland offenbart, ist zwar ansehnlich und mag sich einer kurzfristigen Entscheidung verdanken. Allerdings sind die Arbeiten durchaus nicht innovativ und schon gar nicht experimentell. Im übrigen sind die vier ausstellenden Künstlerinnen  in der Region bestens etabliert und mit ihren Werken dort auch immer wieder vertreten. Leider funktioniert die Damen-Allianz auch künstlerisch kaum.

Gezeigt werden vier ganz unterschiedliche Positionen, die sich in der Präsentation fremd bleiben und keinerlei Dialog untereinander in Gang setzen. So bleibt die Schau letztendlich eine Gruppenausstellung, deren Werkgruppen man am besten auch jeweils für sich betrachtet. Beginnt man seinen Rundgang im Obergeschoss der Galerie, was durchaus empfehlenswert ist, so trifft man auf Gisela Huberts ruhige Kompositionen mit ihren floralen und organischen Formen. In  den Gemälden stellt sich neben der Malerin die Grafikerin und ­Linolschneiderin  dar, die Hubert auch ist, mit ihrem Sinn für  strukturelle und formale Klarheit. Es sind die Farben und die Verweise auf die Natur, die Huberts Arbeiten poetischen Reiz verleihen.

Einmal mehr berichten Anne Hötts Gemälde im Erdgeschoss aus der seelischen Provinz des Menschen. Wo Hubert Sinnlichkeit in der strengen Form diszipliniert, da veräußert Hött Emotionen und Innenleben in einer gestischen Malerei, in deren Farbklängen sich vielfältige Seelenräume auftun.

Mit bildhauerischen Arbeiten ist Maria Steinmann die dritte im Bunde. Seit langem leistet die Künstlerin mit ihrem Werk Erinnerungskultur. In ihren Objekten und Installationen bewahrt sie vermeintlich nutzlose, ausgemusterte Gebrauchsgegenstände und Bauteile vor der Vernichtung und  erweckt sie in einer Art künstlerischer  Metamorphose zu neuem Leben. Im Palais Walderdorff sind es neben anderem Stühle und Teile aus alten Lehm- und Strohdecken, die sie als Installation zum Sinnbild überformt oder als Malerei abstrahiert.

Die vierte in der Runde ist die junge Birte Svea Metzdorf. In ihren kleinformatigen Mischtechniken und ihrem Video bleibt sie ihrem gesellschaftskritischen Ansatz treu, den sie, frei von jedem weltverbessernden Übereifer, leicht und  mit ironischem Witz formuliert, sei es nun der Golfball als Statussymbol oder die Wohlstandsküche. Zuweilen öffnen ihre Visionen und Verbildlichungen den Blick in dunkle Abgründe, wie bei ihrer Arbeit „Rabenmutter“  oder den schaurig-schönen „Reborn Babys“ (lebenden Babys nachgebildete Puppen als Kinderersatz) aus dem Zeichentrickfilm „Unboxing love“ (beim Auspacken der Liebe).

Die Ausstellung ist bis zum 16. November im Palais Walderdorff zu sehen. Geöffnet ist sie donnerstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr; weitere Informationen auf www. gb-kunst.de

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