Trierer Intendant geht in Bayern fremd

Trierer Intendant geht in Bayern fremd

Während das Trierer Theater in den vergangenen Wochen mit vielen Zusatzvorstellungen seine Besucherbilanz aufpoliert, weilt der Chef in bayerischen Gefilden, um dort am 7. Juli den Märchenkönig Ludwig II. in Gestalt eines Musicals auf die Bühne zu bringen.

Kempten/Trier. Ein leichter Job ist das beileibe nicht, denn die Musical-Version der Lebensgeschichte des immer noch beliebtesten Bayern-Herrschers hat schon mehrere gescheiterte Versionen hinter sich. Zwei Mal kam das Werk im Schatten des Schlosses Neuschwanstein in Füssen heraus, das Ende war eine krachende Insolvenz. Dass Kempten nun den Machern Asyl bot, sorgte für allerlei bajuwarisch-kommunalpolitischen Ärger.
Das alles muss Gerhard Weber nicht stören. Er hat Teile des Stücks und des Ensembles aus der Konkursmasse übernommen, aber Handlung und Musik wurden mächtig überarbeitet für die Produktion im hypermodernen Veranstaltungszentrum "Big Box Allgäu".
Der Titel lautet "Ludwig 2 - Der König kommt zurück", und die moderne Schreibweise der Zahl scheint kein Zufall zu sein. Glaubt man der Lokalpresse, dann soll es leichter und lockerer zugehen als bei den ersten Anläufen, aber auch ein bisschen politischer. Weber gehe, so heißt es, von einem politisch motivierten Doppelmord an Ludwig und seinem Leibarzt aus. Eine Glaubensfrage für die Bewohner von Deutschlands südlichstem Bundesland, mindestens so umstritten wie Bayern München.
Seit Mitte Mai laufen die Proben, seit zwei Wochen baut Gerd Friedrich das Bühnenbild auf - auch er in Trier kein Unbekannter, hat er doch zuletzt "Mutter Courage" und den "Hauptmann von Köpenick" ausgestattet.
Eine Woche muss sich Gerhard Weber noch gedulden, an unzähligen Details arbeiten, sein Team motivieren. Am 7. Juli entscheidet sich dann, ob die Geschichte von Ludwig II. um eine weitere Tragödie reicher ist oder ob aus der Produktion die große Touristen-Attraktion wird, die sich die Kemptener erhoffen. 45 Vorstellungen sind bis Ende August anberaumt, für mehr als 70 000 Besucher ist Platz. Weit mehr als etwa die Trierer Antikenfestspiele in der gesamten Ära Weber anlocken konnten. DiL
Info: www.bigboxallgaeu.deDassIntendanten nicht nur am eigenen Haus, sondern auch an anderen Theatern als (bezahlter) Gast inszenieren, ist eine in Deutschland übliche Praxis. Meist legen die Arbeitsverträge fest, wie oft ein Theaterchef "fremdgehen" darf. Triers Intendant Gerhard Weber ist - gemessen an seinem Vorgänger Lukas-Kindermann, der meist mehrmals pro Saison in der Fremde inszenierte - dabei recht zurückhaltend. Zudem waren seine Auswärtsspiele, anders als diesmal, oft Teil von Koproduktionen mit dem Trierer Haus.