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Trierer Konzertchor-Gründer Manfred May ist tot

Trierer Konzertchor-Gründer Manfred May ist tot

Im Alter von 76 Jahren ist der Dirigent und Musikpädagoge Manfred May gestorben. Der Gründer und langjährige Leiter des Trierer Konzertchors erlag einer kurzen, schweren Krankheit. Im Musikleben der Stadt Trier hinterlässt er eine große Lücke.

Es fällt schwer, zu entscheiden, an welchen Manfred May man sich erinnern will. An den begeisterten Lehrer vielleicht, der 1982 am Max-Planck-Gymnasium eine Musiktheater-AG gründete, aus deren Arbeit heraus der Grundstein für die Karriere etlicher Musiker wie dem Sänger Tobias Scharfenberger gelegt wurde. Oder an den jugendlichen Handballer bei MJC Trier, aus dessen Kräftemessen mit einem gleichaltrigen Konkurrenten namens Franz Grundheber eine Künstlerfreundschaft entstand, die ein halbes Jahrhundert und viele Konzerte lang hielt.
Zu erinnern wäre an den Entdecker Manfred May, der nach verborgenen Schätzen Trierer Komponisten grub und maßgeblichen Anteil an der Etablierung des Amphitheaters und des Innenhofs des Kurfürstlichen Palais' als Open-Air-Spielstätten in Trier hatte. Nicht zu vergessen der Musikpädagoge, der jahrzehntelang dafür sorgte, dass dem Trierer Theater die kleinen Sängerinnen und Sänger für die Kinderrollen nicht ausgingen.

Manfred May, der Unermüdliche, war ein Netzwerker auch schon zu Zeiten, als man dieses Wort noch nicht kannte. Er pflegte seine Verbindungen zu Künstlern so gut wie in die Kommunalpolitik. Er wurde gehört, und das nicht erst, seit man ihn 2004 mit dem städtischen Ehrenbrief ausgezeichnet hatte.

Sein Lebenswerk war der Konzertchor, über Jahrzehnte ein Monument des Trierer Musiklebens, Maßstäbe setzend und so das gesamte Chorleben der Stadt nach vorne treibend. Man muss ihn erlebt haben, wie er mit dem Chor arbeitete, magische Klangbilder herauslockte, Grenzen auslotete. Unvergessen Glucks Orpheus-Oper im Palais-Innenhof, ein Höhepunkt im Chorleben - und welch eine Herausforderung für eine Truppe, die noch nie szenisch gearbeitet hatte.

In seinen letzten Konzerten merkte man ihm eine gewisse Zerbrechlichkeit des Alters an - aber auch den klaren Willen, seine Arbeit zu Ende zu bringen. Die Jubiläumskonzerte zum 50. Geburtstag des Chors sollten auch die Abschiedsvorstellungen des Chorleiters Manfred May werden. Noch einmal Mendelssohn Bartholdys "Elias" mit seinem Weggefährten Franz Grundheber am 16. März, noch einmal eine große Ausgrabung mit dem Oratorium "Sinai" des Trierer Komponisten Georg Schmitt am 7. September, und dann im Frühjahr 2015 die Reminiszenz an Bachs "Johannespassion", mit der es einst begonnen hatte.

Seine schwere Erkrankung ließ ihm nicht mehr die Zeit, sich von seinem Publikum zu verabschieden. Die Konzerte werden eine Art von Requiem werden. Manfred May starb am 25. Februar.