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Trierer Maler trifft auf japanische Textilkunst

Auch Peter Krisams „Selbstbildnis“ hängt in der Ausstellung im Museum Simeonstift. TV-Foto: Friedemann Vetter
Auch Peter Krisams „Selbstbildnis“ hängt in der Ausstellung im Museum Simeonstift. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Das Stadtmuseum Simeonstift zeigt in Einzelausstellungen zwei aktuelle Schenkungen: Werke von Peter Krisam und Shibori-Stoffe. Eva-Maria Reuther

Trier Auch die Sammlungen des Stadtmuseums Simeonstift gründen, wie Elisabeth Dühr betont, auf bürgerlichem Engagement. Einmal mehr kann sich die Museumsdirektorin jetzt über zwei weitere großzügige Schenkungen freuen. Als Geschenk seines Sohnes Hanno Krisam ging der 800 Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen umfassende Nachlass des Trierer Malers Peter Krisam an das Museum. Damit kann das Haus, das bereits Arbeiten von Krisam besitzt, seinen Bestand vervollständigen.
Eine zweite Schenkung der Hochschule Trier an das Simeonstift ergänzt die hauseigene Textiliensammlung und schlägt reizvoll die Brücke zwischen Japan und Trier. Rund 50 Modelle aus Shibori-Stoffen (einer traditionellen japanischen Textilkunst), die anlässlich der Japan-Woche der Kulturhauptstadt Luxemburg 1995 in ihrem Fachbereich Gestaltung/Fachrichtung Mode entstanden, hat die Hochschule jetzt ebenfalls dem Museum gestiftet. Beide Schenkungen werden nun in Einzelausstellungen gezeigt.
Peter Krisam, Maler zwischen den Zeiten: Gemeinhin ist er als "Trier-Maler" bekannt. Das mag von seinen Bildern rühren, in denen er immer wieder Motive der Moselstadt aufgreift. Ohne Frage gehört Peter Krisam bis heute zu den in Trier hochgeschätzten Malern. Der 1901 in Klüsserath geborene Ramboux-Preisträger ist vielfältig mit der Stadt verbunden. Bevor er 1924 nach München wechselt, besucht er von 1918 bis 1921 die Trierer Handwerker-und Kunstgewerbeschule, wo so bekannte Trierer Maler wie Fritz Quant und August Trümper seine Lehrer sind. Als Lehrender im Fach Zeichnen unterrichtet Krisam später einen großen Teil der Trierer Malerprominenz von Reinhard Heß bis Erich Kraemer.
Aber die Biografie des Sohnes eines Trierer Einzelhändlers steht auch für das Schicksal einer Maler-Generation, der die Zeit und die Kunst aus den Fugen gerieten, belastet mit dem Trauma des Dritten Reichs und zweier Weltkriege.
Die Ausstellung im Simeonstift zeichnet sorgfältig diesen Weg eines Künstlerlebens "zwischen den Zeiten" nach. Gleich eingangs fasst sie zusammen, was Krisams Werk ausmacht. Zeitlebens blieb Krisam ein farbmächtiger Gegenständlicher, dessen Landschaften und Stillleben von der französischen Moderne beeinflusst sind. Bis zu seinem Lebensende war Frankreich, wie hier zu sehen, als Reiseziel sein Sehnsuchtsland. Direkt in die Seelenprovinz des Malers führt sein anrührendes Selbstbildnis mit dem nachdenklichen Gesicht und den melancholischen Augen unterm schwarzen Zylinder. In der Hand hält der junge Maler ein hilfloses Blümchen.
Die Trierer Schau schlägt zudem die Brücke nach Luxemburg, wo Krisams Malerfreund Joseph Kutter lebte. Dessen Clowns finden sich auch beim Trierer Maler wieder. Und so manche Dorfansicht erinnert mit ihren stürzenden Linien an den schwermütigen Luxemburger. Besonders delikat sind Krisams feinsinnige Zeichnungen. Abgerundet wird die Ausstellung von Gemälden seiner Lehrer Quant und Trümper, sowie seiner späteren Schüler.
In den Mittelpunkt der Schau haben die Ausstellungsmacher Krisams Kriegsbilder gerückt. Die zeit- und lebensgeschichtliche Schieflage macht bereits die abgeschrägte Vitrine sichtbar. Von 1942 bis 1945 war Krisam zur Wehrmacht eingezogen. Den Propaganda-Aquarellen deutscher Zerstörungen stehen Zeichnungen aus dem Alltagsleben des amerikanischen Gefangenenlagers gegenüber. Eindrucksvoll: Krisams Auferstehungsbild. Bis in seine späten Jahre bleibt der Maler, der 1985 in Trier starb, dem französischen Einfluss verpflichtet.
Für die moderne Abstraktion konnte sich Krisam nie erwärmen. Exotischer als der Trierer Maler kommen die Textilien der Shibori-Ausstellung daher (Eine Besprechung folgt).
Beide Ausstellungen eröffnen am Sonntag, 2. April, 11.30 Uhr. Geöffnet ist die Schau bis 22. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.