Trierer Museumsnacht im Zeichen von Nero und 100 Jahren Dada - Künstlergruppen ziehen durch die Innenstadt

Trierer Museumsnacht im Zeichen von Nero und 100 Jahren Dada - Künstlergruppen ziehen durch die Innenstadt

Bereits zum zehnten Mal findet die "Trierer Museumsnacht" statt. Am Samstag, 10. September, haben die fünf Museen der Stadt von 18 bis 24 Uhr geöffnet. Das Programm, anlässlich von 100 Jahren Dada gespickt mit künstlerischen Aktionen, steht schon.

Tagsüber scheint die Römerstadt den Touristen zu gehören. Besonders in den Sommermonaten wimmelt es von fotografierenden Gruppen in legerer Urlaubskleidung, die durch die Straßen ziehen oder sich gar vom Römerexpress kutschieren lassen. Nachts jedoch, wenn die Sehenswürdigkeiten geschlossen sind und die Touristen in ihren Hotelbetten liegen, gehört die Stadt ihren Bürgern. Und am Samstag zudem den fünf Museen Triers. Dann steht alles im Zeichen der "Trierer Museumsnacht", die in diesem Jahr mit Kaiser Nero sozusagen einen römischen Schirmherrn hat.Nero und Dada

Im 100. Jubiläumsjahr des Dadaismus werden zudem an mehreren Stationen in der Stadt und in den Museen verschiedene Performances gezeigt. Die einst verstörende Kunstform des Dadaismus, die zwischen verkrustetem Bürgertum und dem Wahnsinn des Ersten Weltkrieges entstand, stellte damals einen verzweifelten Akt des Ändernwollens und Aufbrechens der unerbittlichen Lebenswelt dar. Dieser Zustand sei glücklicherweise überholt, sagt Bernd Bleffert von der Gesellschaft für aktuelle Klangkunst, die das Kunstprojekt präsentiert. Zusätzlich zu den Aktionen in den Museen ziehen drei Schauspieler des Theaters Trier durch die Stadt, um dadaistische Aktionen zu präsentieren.

Außerdem wandert ein Dada-Chor singend zwischen den Museen hin und her. Als Abschluss versammeln sich alle Künstler des dadaistischen Künstlerprojekts "Fußgebete - eine dadaistische Odyssee" kurz vor Mitternacht zu einer Simultanperformance im Brunnenhof.Museum am Dom

"Alles im Zeichen Neros", heißt es vom Museum am Dom, das neben vier Kurzführungen zu Themen rund um das Christentum und das römische Reich, auch eine Führung für Kinder anbietet. Thema der Kurzführung lautet "Jupiter, Minerva, Juno. Götterwelt der Römer". Außerdem können sich die jüngsten Besucher in einer Werkstatt einen Heroldstab (Ein Stab um den sich zwei Schlangen wickeln) basteln.Museum Karl-Marx-Haus

Dada und Revue bei Marx, ist das Motto im Geburtshaus des Philosophen. Revuehaft gestaltet sich das Stück "Schmackeduzchen" über die Sängerin Claire Waldoff, zuvor können Besucher mittels einer zehnminütigen Spontan-(Ein)-Führung in das Leben, Wirken und Werk Karl Marx' blicken. Beim Kinderprogramm werden mit Ausschnitten aus Magazinen und Zeitschriften Marx-Collagen gestaltet. Zum Abschluss zeigt das Museum den Dokumentarfilm "Berlin. Eine Sinfonie der Großstadt" aus dem Jahr 1927.Rheinisches Landesmuseum

Das Rheinische Landesmuseum hat sich im Vorhinein zum Programm der Museumsnacht die Frage gestellt, wie Kaiser Nero selbst einen solchen Abend gestaltet hätte: Natürlich mit Kunst und viel Musik. Die Jukebox Heroes vom SWR1 laden beim "Public Singing" zu einem Gruppenkaraoke ein. Eine gesungene Führung beleuchtet das Schicksal der Frauen in Neros Umfeld als eine Art musikalisches Roadmovie, mit modernen Stücken aus Jazz und Pop. Bis zum Zapfenstreich um Mitternacht spielt die Trierer Band Dynamite Funk & Friends bekannte Lieder aus Jazz, Funk und Rock. Im Programmpunkt "Im Visier: Nero" werden kriminelle Kurzgeschichten über den Kaiser vorgelesen. Zudem stellt die Künstlergruppe Werkform ihre von Nero inspirierten Designobjekte aus.Stadtmusem Simeonstift

Im Stadtmusem dreht sich nach eigener Aussage von Direktorin Elisabeth Dühr "nicht alles um Nero, aber vieles". Zusätzlich zur Lesung Quo vadis, die sich mit Neros Lehrer Seneca befasst, wird die neue Wechselausstellung im Stiftskabinett zum 150. Todetag des gebürtigen Trierers und Malers Johann Anton Ramboux eröffnet. Zudem gibt es eine Erlebnisführung durch das mittelalterliche Trier und zwei besondere Programmpunkte:
Zum einen bauen Studenten der Hochschule aus der Fachrichtung Maschinenbau einen 3D-Scanner und -Drucker auf, mit dem sich Besucher eine kleine Skulptur ihrer selbst ausdrucken lassen können, und zum anderen reist eine Studentengruppe von Krakau aus mit ihrem "Freedombus" bis an die Porta, wo sie ein Schauspiel unter dem Titel "Vergangenheit und Zukunft" aufführen wird. Teil der Performance ist eine Projektion, mit der die Porta bespielt werden soll. Die Geschichte Europas und der Wunsch nach Solidarität innerhalb der Länder sind die Themen.Schatzkammer

Foto: (g_kultur

Die Stadtbibliothek Weberbach ist mit ihrer Ausstellung in der Schatzkammer zum zweiten Mal dabei. Die Besonderheit zur Nacht der Museen ist die seit Jahren erste Zurschaustellung des kompletten Ada-Evangeliars. Derzeit ist in der Schatzkammer nur der Einband des Buches zu sehen, das von einer angeblichen Schwester Karls des Großen in Auftrag gegeben worden war und lange Zeit in Trier im St.-Maximin-Kloster gelegen hatte.
Für die Handschrift läuft derzeit ein Antrag zur Aufnahme in die Liste des Unesco Weltdokumentenerbes, in die eine zweite Trierer Handschrift, der Codex Egberti, bereits aufgenommen wurde. Zudem werden Kunsthandwerker vor Ort sein, um ihr Können zu präsentieren.

In der Nacht der Museen gehe es um mehr als darum, neue Gesichter in die Ausstellungen zu locken, darin sind sich die Vertreter der Museen einig. "Es gibt immer wieder Überraschungen für Besucher, weil viele noch ein sehr veraltetes Bild von Museen im Kopf haben. Viele sind dann sogar stolz, was Trier alles an kulturellem Angebot vorzuweisen hat", weiß Simeonstifts-Direktorin Dühr. "Durch den Eventcharakter dieser Nacht wird das eher konventionelle Format des Museums aufgebrochen", sagt Michael Embach von der Stadtbibliothek. "Es kommen viele aus ganz Deutschland für die Ausstellungen nach Trier," sagt Thomas Rath von der Gesellschaft für aktuelle Klangkunst, "aber diese Nacht ist für die Trie rer und die Leute aus der Umland gemacht."

Karten für die Trierer Museumsnacht gibt es in allen beteiligten Museen für acht Euro. Mit dem Ticket können alle Ausstellungen besucht werden.

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