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Trierer Stadtrat entscheidet über Neugestaltung des Stadtmuseums Simeonstift

Trier : Schluss mit roten Rahmen und alten Game Boys

Mehr Infos, wechselnde Exponate, weniger Knalleffekte: Das Trierer Stadtmuseum Simeonstift will sich grundlegend erneuern.

Zwei verwirrte Jungs und ein Game Boy. Das war für Elisabeth Dühr das Schlüsselerlebnis. Als die Museumsdirektorin beobachtete, wie die Kinder übers Display der Spielstation wischten und sich wunderten, dass nichts, aber auch gar nichts geschah –  wie die beiden völlig ratlos vor diesem Ding standen, das älter war als sie selbst – da dachte Dühr „o weh, o weh“ und wusste, dass die Dauerausstellung des Trierer Stadtmuseums dringend einige Neuerungen vertragen könnte.

Die 13 Medienstationen seien „als völlig überaltet“ zu bezeichnen, heißt es in einer Vorlage für den Trierer Stadtrat, der diesen Dienstag entscheiden soll, ob er den Bedarf einer Aktualisierung sieht und die Museumsleitung damit beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten. Allerdings geht es Dühr nicht nur darum, die gesamte Medientechnik auszutauschen.

Auch inhaltlich und optisch soll sich im Simeonstift vieles wandeln. Aktuell präsentiert das Museum seine stadthistorischen Kunstschätze mal auf quietschegelben Podesten, mal in feuerwehrroten Rahmen. Einbauten aus dem Jahr 2007, die dafür sorgen, dass die historischen Säle des ehemaligen Klosters kaum noch als solche zu erkennen sind. „Wir wollen den Räumen ihre Charakteristik zurückgeben“, sagt Dühr.

Zudem habe sich gezeigt, dass manches nicht funktioniere. Besucher seien es so gewohnt, im Museum nirgends draufzusteigen, dass die Podeste nur selten als solche genutzt würden. Und auch an die Schubladen mit Infos über Trierer Persönlichkeiten traue sich kaum jemand ran. Schuld sein könne auch der deutsche Ordnungssinn: Schon der erste Besucher mache alle Laden zu.

Die neue Ausstellungsarchitektur muss so dezent sein, dass die Exponate in den Vordergrund rücken. Und die neuen Medienstationen werden auf großen Displays viele Optionen bieten, sich über die Epochen der Stadtgeschichte zu informieren. Epochen, deren Eckdaten künftig immer genannt werden. „Als wir die Dauerausstellung entwickelt haben, sind wir davon ausgegangen, dass Epochenbegriffe und zeitliche Reihenfolgen klar sind“, sagt Dühr. Viele Menschen wüssten heute aber gar nicht, wann die preußische Zeit begann. Die Schau „Ikone Karl Marx“ habe 2013 gezeigt, dass viele Besucher auch keine Ahnung hatten, ob Marx nun im 15. 17. oder 19. Jahrhundert lebte. Künftig soll es daher mehr Informationen zu Epochen und Exponaten geben. Zudem will das Museum deutlich wandlungsfähiger und flexibler sein als heute. „Dauerausstellung würde ich das nicht mehr nennen“, sagt Dühr, die nicht nur zahlreiche neue, sondern auch wechselnde Exponate zeigen will – sodass es über die Jahre auch für Trierer spannend bleibt, sich im Stadtmuseum mit der Geschichte ihrer Heimat auseinanderzusetzen. Inhaltlich wird sich alles an zentralen Fragen orientieren wie: „Ist Trier die älteste Stadt Deutschlands?“, „Wovon lebt Trier?“, „Wer lebt in Trier?“, „Warum reist man nach Trier?“. Nicht nur einzelne Stücke, auch ganze Fragenkomplexe sollen austauschbar sein, um bei Bedarf neue, aktuelle Themen zu integrieren.

Wenn der Stadtrat zustimmt, dürfte das Konzept Ende 2020 vorliegen, sodass im Frühjahr 2021 ein Büro für Ausstellungsarchitektur beauftragt werden kann. Baustart wäre aber erst nach der großen Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“. Von November 2022 bis Ende Februar 2023 würde das Museum dann für den Umbau schließen, der ersten Schätzungen zufolge 1,4 Millionen Euro kostet.

Kinder, die ratlos über uralte Displays wischen, sieht man vor den Spielstationen allerdings schon jetzt nicht mehr. Denn die hat Dühr gleich nach ihrem Schlüsselerlebnis austauschen lassen.