1. Region
  2. Kultur

Trierer Theater: Wen das Publikum am liebsten mag​ Theatermaske

Theatergeschichte(n) : Trierer Theater: Wen das Publikum am liebsten mag

Spannung vor der Gala am Samstag: Wer bekommt die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung „Theatermaske“? Klar ist, dass Intendant Manfred Langner sie nicht bekommt – obwohl mancher Theaterbesucher das gerne gesehen hätte.

Welcher Künstler ist der beste in Trier? Wen liebt das Publikum am meisten? Unter all den Mitwirkenden in Schauspiel, Tanz, Musik, Regie und Bühnenbild haben die Freunde des Trierer Theaters kürzlich fünf Nominierungen für die „Theatermaske“ 2022 festgelegt – ein mit 1000 Euro dotierter Preis, den die Gesellschaft seit 2001 für besondere Leistungen am Theater vergibt. Er ist einer der wichtigsten Kulturpreise der Region. Auch Theaterbesucher konnten Vorschläge einreichen und dabei mitentscheiden, welche Person oder Gruppe am nachhaltigsten Eindruck gemacht hat.

Für das Publikum war die Sache klar: Es wählte Schauspielerin Stephanie Theiß auf Platz 1 – für ihre Ausstrahlung, ihre Bühnenpräsenz und ihre Vielseitigkeit. „Sie kann so viel, ob Schauspiel, Moderation, Komik, Gesang und auch Dramatik“, lautet etwa ein Votum der Besucher. Besonders wird ihre Moderation beim Picknick-Konzert hervorgehoben – die sei „herzerfrischend und toll“ gewesen. In „Marlene“ verkörperte sie in der Hauptrolle Marlene Dietrich.

 Stephanie Theiß.
Stephanie Theiß. Foto: MARCO PIECUCH

Für Theiß‘ Kollegin Barbara Ullmann wäre es nicht das erste Mal, wenn sie die Theatermaske erhielte. Die Schauspielerin, die seit 1987/88 an die Mosel ist und schon in unzähligen Rollen ihre Vielseitigkeit und ihr Können unter Beweis stellte, bekam die Auszeichnung bereits 2012. Nun wählte das Kuratorium der Theaterfreunde Ullmann, die auch im „Tatort“ mitspielte, aus, weil sie sich „als exzellente Regisseurin bewährt“ habe. Ihr Stück „Und im Aug‘ die falsche Träne ...“ war ein mitreißender Erfolg im Kasino. Über „Empfänger unbekannt“ urteilt die Jury, sie habe „viele unserer Jugendchor-Mitglieder stark beeindruckt und einen großartigen Gesprächsanlass über die Nazi-Zeit geschaffen. Ihre klare Handschrift und Konsequenz in der Adaption des Briefromans für die Bühne macht die Tragik der persönlichen Schicksale des Freundespaares im Raum greifbar“.

 Barbara Ullmann.
Barbara Ullmann. Foto: TV/Christina Bents

Und noch ein Schauspieler ist nominiert: Für Giovanni Rupp hat sich die 360 Mitglieder starke Theatergesellschaft ausgesprochen und führt eine ganze Reihe von Rollen an, in denen Rupp glänzte: den Wurm in „Kabale und Liebe“, den südländischen Sonnenschein Giorgio in „Buntes Republik“, den gruseligen und furchteinflößenden Bill Sikes in „Oliver!“ oder das bunt-flippige Genie Paul Abraham. „Das Theater verfügt über einen Schauspieler, den man meiner Meinung nach mit jeder Aufgabe betrauen kann“, so ein Urteil über Rupp aus der Jury, die auch „seine wunderschöne Sing- und Sprechstimme“ hervorhebt. „Er meistert jede noch extreme Rolle perfekt.“

 Giovanni Rupp.
Giovanni Rupp. Foto: TV/Theater Trier

Für Wouter Padberg hat sich das Kuratorium der Theaterfreunde ausgesprochen. Dem Dirigenten des Sinfonieorchesters gelinge es, „schon die jüngsten Zuhörer zu Fans von Theater und Musik zu machen“. Padberg gestalte seine Familienkonzerte „sehr kreativ, unterhaltsam und kindgerecht“. Sein Erfolg, schon die Jüngsten ins Theater zu locken und ihnen Zugang zur Klassik zu verschaffen, führe nun schon dazu, dass man sich immer früher um Eintrittskarten bemühen müsse.

 Wouter Padberg.
Wouter Padberg. Foto: Martin Dr. Möller (mö)

Mit dem Ballett- und Tanz-Ensemble hat das Kuratorium der Theaterfreunde auch ein ganzes Team nominiert. Begründung: „Das Ballett-Ensemble mit seinem Direktor Roberto Scafati überzeugt mit einer beständigen Teamleistung auf stets sehr hohem Niveau. Die Ballettabende sind eine ästhetische Augenweide, die Auftritte faszinieren und provozieren häufig Standing Ovations.“ Alle Produktionen seien wunderbar mitreißend und berührend gewesen. Roberto Scafati habe das Ballett in Trier „mit viel erzählerischer Kraft in die Herzen der Theatergäste gebracht“.

 Proben zum Ballett „Der Sturm“ von Roberto Scafati: Mitglieder des Ballett- und Tanzensembles.
Proben zum Ballett „Der Sturm“ von Roberto Scafati: Mitglieder des Ballett- und Tanzensembles. Foto: Theater Trier

Wer die Theatermaske 2022 erhält, bleibt bis Samstagabend spannend. Die Auszeichnung wird bei einer Gala im Großen Haus (ab 19 Uhr) zum Abschluss des Theaterfests (ab 14 Uhr) verliehen. Dabei zeigen die Künstler auch viele Ausschnitte aus dem kommenden Programm. Der Eintritt ist frei, allerdings müssen Besucher sich eine Zählkarte an der Kasse besorgen. Beim Theaterfest erhalten die Gäste besondere Einblicke ins Theaterleben mit seinen vielen Räumen und Berufen, darunter in öffentliche Proben.

Und noch ein Preis wird am Samstag verliehen: Der „Bühnentaler“ist ein mit 1200 Euro dotierter Nachwuchspreis, der erstmals von der Joachim-Neuerburg-Stiftung ausgelobt wurde. Die Stiftung in Trier will ihn künftig jährlich vergeben.

Einer wird den Theaterpreis nicht bekommen, obwohl nicht wenige Stimmen sich genau das gewünscht haben: Manfred Langner. Der Intendant heimst viel Lob ein, nicht nur dafür, wie er mit seinen Programmen Publikum ins Theater zieht und ein gutes Händchen beim Einfädeln neuer Künstler-Engagements hat, sondern auch für sein Krisenmanagement in der Pandemie. Laut Hiltrud Zock, Vorsitzende der Theatergesellschaft, habe Langner jedoch erneut darum gebeten, dass der Theaterpreis nicht ihm, sondern jemandem aus seinem Team verliehen werden sollte.

Das Team des Tanz-Ensembles kann sich in dieser Spielzeit über Zuwachs freuen. Dank einer Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes können zum ersten Mal zusätzlich eine Absolventin und ein Absolvent für eine Spielzeit eingestellt werden, wie Pressesprecherin Leslie Oeffling berichtet. Zum 14-köpfigen Ballett-Ensemble gehören nun Cecilia Bartolino aus Italien und Daniel Moret Chanzá aus Deutschland mit spanischen Wurzeln. Beide seien jung und „beeindruckend gut ausgebildet“. Ihr Förderprogramm hat zum Ziel, möglichst viele BerufseinsteigerInnen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in Stadt- und Staatstheatern oder Compagnien der freien Tanzszene aufzunehmen und mitwirken zu lassen. Anne Heucher