| 20:37 Uhr

Tropische Fiesta im Brunnenhof

Karibik-Stimmung an einem Spätsommerabend: Die Band Soneros de Verdad (im Bild von links Querol Aldana, Mayito Rivera und Sergio Veranes) heizt dem Publikum ein. TV-Foto: Anke Emmerling
Karibik-Stimmung an einem Spätsommerabend: Die Band Soneros de Verdad (im Bild von links Querol Aldana, Mayito Rivera und Sergio Veranes) heizt dem Publikum ein. TV-Foto: Anke Emmerling
Trier. Zum Publikumsmagneten und Stimmungshöhepunkt der 20. Ausgabe von Jazz im Brunnenhof ist der Auftritt der kubanischen Formation Soneros de Verdad geraten. Die zweite Generation des Buena Vista Social Club brachte tropisch-karibisches Flair in den Brunnenhof und einen Großteil der 600 Besucher dazu, ihre Hüften zu schwingen. Anke Emmerling

Trier. "Milliunen Leut", wie der Trierer sagen würde, strömen in den Brunnenhof. Alle Stühle und Bänke sind bereits vergriffen, und immer noch reißen die Schlangen an den Eingängen nicht ab. Was den enormen Ansturm an diesem schönen Spätsommerabend ausgelöst hat, ist die Erwartung heißer Rhythmen im Stil des Buena Vista Social Club. Denn mit der Formation Soneros de Verdad hat der Jazzclub Trier "Söhne" des legendären Projekts eingeladen.
Frontmann Luis Frank gehört zur zweiten Generation des Buena Vista Social Club, war zwei Jahre lang dessen Leadsänger und hat an Wim Wenders Film "Musica Cubana" mitgewirkt. In den Brunnenhof hat er mit Nicolás Sirgado, Querol Aldana, Sergio Veranes, Lázaro Dilout, Vivo Barrera und Fabián Sirgado sechs temperamentvolle Musiker mitgebracht, die von Beginn an für Stimmung sorgen. Auf Bass, zwei Akustikgitarren, Trompete, Bongos, Schlag- und verschiedenen Perkussionsinstrumenten zaubern sie den beliebten, von afrikanischen und karibischen Wurzeln geprägten Latin-Sound, der Tanzbegeisterte hierzulande seit Jahren scharenweise in Salsa-Kurse zieht.
Warme Rumba-, Cha-Cha-Cha- oder Mambo-Rhythmen bilden das Grundgerüst. Darüber flechten sich zwischen Melancholie und Lebensfreude changierende Melodien, die von Gitarren und Trompete, besonders aber von zwei ausgezeichneten Gesangsstimmen getragen werden. Die eine, reife, gehaltvolle und besonders in Balladen sehr ausdrucksstarke gehört Luis Frank. Er interpretiert eher traditionell kubanische Lieder. Im Wechsel dazu klingt etwas höher, stärker timbrierend und sehr rhythmusorientiert die von Gaststar Mayito Rivera. Er steht mit lautmalerischem Gesang und Scat-Passagen für einen moderneren, aus Jazz und Reggae genährten Stil.
Shakira wäre neidisch


Das Publikum schätzt beides sehr. Bald wogt der Platz vor der Bühne. Nun zeigt sich, wozu Salsa-Kurse gut sind: Viele Tänzerinnen und Tänzer packen ein atemberaubendes Bewegungsrepertoire aus, lassen mit erotischem Knistern die Hüften kreisen. Ihre Nationalitäten sind bunt gemischt, viele kommen aus lateinamerikanischen Ländern.
Die Band nutzt das Tanzfieber für die Show und holt nach und nach Einzelne aus der Menge auf die Bühne. Könnte Shakira zuschauen, sie würde manches Mal blass vor Neid werden. Die Stimmung im Brunnenhof gleicht einer tropischen Fiesta und wird von Luis Frank mit Animationen auf Spanisch kräftig angeheizt. Die Zeit vergeht bei diesem Konzert rasend schnell, zu schnell, doch dafür entschädigt eine famose Zugabe. Es ist "Chan Chan", der berühmteste Titel des Buena Vista Social Club, das i-Tüpfelchen auf einem sehr gelungenen Abend.
Ursprünglich sollte dieses Konzert der Abschluss der Reihe Jazz im Brunnenhof sein, doch sie wird um einen Termin verlängert: Am Dienstag, 17. September, 20 Uhr, wird das wegen Krankheit ausgefallene Konzert von Trompeter Thomas Gansch und Bassist Georg Breinschmid nachgeholt.