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Trost für alle, die Leid tragen

Trost für alle, die Leid tragen

TRIER. Zu einem bewegenden Abschluss der Mosel Festwochen wurde das Deutsche Requiem von Johannes Brahms, das der Trierer Bachchor und Domchor mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz unter der Leitung von Martin Bambauer in der Konstantin-Basilika aufführten.

Johannes Brahms selbst hat die Bibelworte für sein Deutsches Requiem zusammengestellt. Er wollte keine Totenfeier komponieren, sondern den Trauernden Trost spenden und Hoffnung machen. Da kann man sich fragen, warum dem Chorwerk die Tragische Ouvertüre des Komponisten vorangestellt wurde. Jedenfalls zeigte das Werk schnell, mit welch vorzüglichem Orchester man es zu tun hatte. Im ersten Satz des Requiems, "Selig sind, die da Leid tragen", präsentierten sich Bachchor und Domchor mit hervorragender Phrasierung und Tongebung. Martin Bambauer hatte dafür gesorgt, dass die Balance zwischen Chor und Orchester zu jedem Zeitpunkt stimmte, was bei der guten Diktion des Chores zu einem hohen Maß an Textverständlichkeit führte. Bewundernswert, wie Brahms entlegene Bibelworte so miteinander verbindet, dass man meint, sie entstammten dem gleichen Text. So folgen in diesem ersten Satz des Deutschen Requiems einer Seligpreisung aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums zwei Verse aus dem 126. Psalm. Einen ungemein vollen und warmen Klang entfalten im Orchester vor allem die tiefen Streicher und die Bläser. "Langsam, marschmäßig" ist der zweite Satz überschrieben. Bei einem Dreiertakt scheint diese Anweisung ein Widerspruch zu sein, ist es aber wohl nicht. "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras": Etwas mehr rhythmische Strenge hätte dem einleitenden Chorsatz mit seinen Gedanken über die Vergänglichkeit alles Irdischen gut getan. Aber Brahms hält sich nicht lange mit Pessimistischem auf, und die jubelnde Fuge "Die Erlöseten des Herrn" zeigte Chor und Orchester in virtuoser Höchstform. Die drei mittleren Sätze des Deutschen Requiems sind wohl die heikelsten, was die interpretatorische Gestaltung angeht. Von Bariton Ekkehard Abele hätte man sich beim "Herr, lehre doch mich" mehr deklamatorische Freiheiten gewünscht. Das gilt zwei Sätze später auch für die Sopranistin Cornelia Samuelis, die das "Ihr habt nun Traurigkeit" ein bisschen zu brav sang. Zwischen diesen beiden Sätzen und damit im Zentrum des Deutschen Requiems liegt das lyrische "Wie lieblich sind deine Wohnungen" für Chor und Orchester. Leider wurde bei Bambauer der große Bogen nicht hörbar. Es reicht nicht, einfach einen Dreiertakt zu schlagen. Der musikalische Bogen spannt sich vom Choreinsatz aus über acht oder neun Takte. Kleinteiliges, nicht genügend fließendes Dirigieren bekam auch dem Beginn des vorletzten Satzes nicht allzu gut ("Denn wir haben hie keine bleibende Statt"). Aber all dies war vergessen beim Eintritt der Posaune zur Verkündung der Auferstehung aus dem ersten Korintherbrief des Paulus. Großartig, wie Bambauer den Chor und das Orchester auf den dynamischen Höhepunkt "Hölle, wo ist dein Sieg?" hinführte und dann in die kunstvolle Fuge "Herr, du bist würdig". Mit dem feierlichen Chor "Selig sind die Toten" aus der Offenbarung schließt sich der Kreis dieses symmetrisch angelegten Kunstwerks von Brahms. Die Anklänge an den einleitenden Chor des Deutschen Requiems sind unüberhörbar. Nachdem der Schlussakkord verklungen war, dauerte es mehrere Sekunden, bis der Applaus einsetzte. Ohne Zweifel ein stummer Ausdruck wirklicher Ergriffenheit angesichts eines solchen Meisterwerks, überzeugend dargeboten in einem solch überwältigenden Sakralbau.