Tuchfabrik Trier startet Modellprojekt mit internationalen Künstlern

Tuchfabrik Trier startet Modellprojekt mit internationalen Künstlern

Es ist ein wegweisendes Projekt, das Stefan Bastians da gerade angeht. Mit dem Stück "Odyssee.16" will er Kunst und Kultur, Handwerk und Berufsorientierung zusammenbringen - international. Die Musiktheaterproduktion von Tuchfabrik Trier in Kooperation mit Palais e.V. und Jobcenter ist wegweisend, verbindet West mit Ost, Europa mit Asien, deutsche Kultur mit arabischer, Geflüchtete mit ihrer neuen Heimat.

Gefühlte Ewigkeiten sind sie unterwegs. Auf einer Reise, die weit weg von ihrer Heimat führt. Über Land, über See, durch lebensgefährliche Gefilde. Auf einer Irrfahrt, von der sie nicht einmal wissen, ob sie jemals ankommen. Und wenn, wo? Eine wirkliche Odyssee, mit vielen Hindernissen und vor allem ohne Sicherheiten.Kunst und Handwerk


Und doch haben die etwa 30 jungen Menschen Glück gehabt. Sie sind angekommen. In Deutschland. In Trier. Bauen sich gerade ein neues Leben auf. Als Musiker. Als Autor. Als Künstler. Als Handwerker. Ihnen gemein ist die künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer Flucht in dem Stück "Odyssee.16" mit und von Stefan Bastians. "Ich möchte den jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Erlebnisse durch die künstlerische und handwerkliche Umsetzung zu verarbeiten", sagt der 51-Jährige.

Die 16 jungen Menschen lernen zurzeit in einem Projekt von Palais e.V. und Jobcenter Trier verschiedene Handwerke in einer Werkstatt im Walzwerk in Kürenz. Und sie arbeiten gleichzeitig für die "Odyssee.16". "Sie bauen Groß- und Kopfmasken, Flugobjekte sowie eine vier Meter große Skulptur", sagt Bastians. "Und wir bauen ein sechs Meter langes Schiff." Das Gerippe ist schon erkennbar. Damit werden die Geflüchteten Teil der Produktion, bei der sie auch auftreten. "Mein Anliegen ist es, dass es neben dem künstlerischen auch ein handwerkliches Ensemble gibt." Die jungen Menschen seien mit jedem Handgriff an dem Projekt der Trierer Tuchfabrik beteiligt.

So haben die Geflüchteten aus Ton Schweinsmasken gearbeitet und bemalt - für den Sprechchor. Mit dabei sind auch Sänger von Klangvolk, des Jazz- und Popchors Trier und Musiker des Collegium Musicum, des Orchesters der Universität Trier. Für die Komposition zeichnet Saif Al-Khayyat verantwortlich. Die schwedische Sopranistin Susanne Ekberg wird die Athene singen. In den weiteren Rollen: Friederike Majerczyk als Penelope und Stephan Vanecek als Telemachos. Die Rolle des Odysseus übernimmt der Trierer Schauspieler Tim Olrik Stöneberg, ehemaliges Mitglied des Theaterensemble und inzwischen auch auf der Leinwand zu sehen. Hinzu kommt der Tänzer Saeed Hani. Aufgeführt werden soll das Stück ab Donnerstag, 27. Oktober, in einem Zelt in der Innenstadt - passend zur temporären Heimat der meisten Akteure.

Weil die Musiktheaterproduktion in modellhafter Weise Kunst und Handwerk mit der Aufgabe der Integration geflüchteter junger Menschen verbindet, erhält sie Bundeskulturmittel aus dem Fond Soziokultur.
Bastians kennt sich aus mit Großprojekten. Hat er doch im vergangenen Jahr den Plot und das Libretto für die Jazzoper "Blue Sheets" der Tufa geschrieben und auch Regie geführt. Diesmal dreht sich die Story nicht um ausgebeutete Arbeiter, sondern um geflüchtete Menschen. "Bei der Entwicklung des Textes arbeite ich mit Omar Abouhamdan zusammen."

Die Geschichte habe zwei Ebenen, erklärt Bastians. Da sei einmal die Legende, die "Odyssee" des griechischen Dichters Homer. Und da seien die Biographien der jungen Geflüchteten, exemplarisch verschmolzen in der Figur von Odessa, die die syrische Schauspielerin Fadwa Soliman mimt. "Jeder lässt einen Fingerabdruck seiner eigenen Flucht in dem Stück", sagt Abouhamdan. "Geschichte wiederholt sich", sagt der Syrer, "wie in einem Zirkel."

Premiere ist am 27. Oktober. Weitere Termine: 28., 29., 30. Oktober, 3., 4., 5., 6. November.