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Türkisch-deutsche Schizophrenie mit Charme

Türkisch-deutsche Schizophrenie mit Charme

Trier (Chb) "Ich bleib dann mal hier", laut der Titel des Comedyprogramms von Senay Duzcu. Wer dachte, er könne sich während desen gemütlich zurücklehnen und sich berieseln lassen, der hat sich getäuscht.

Senay Duzcu hat ihr Publikum genau im Blick, und gibt ihnen erst einmal einen kleinen Türkischkurs. Merhaba, was "Hallo" heißt, galt es richtig und mit Nachdruck auszusprechen. "Wenn ihr das so sagt, bekommt ihr höchstens einen Apfel beim Gemüsehändler gratis dazu. Das muss überzeugender kommen, dann ist bestimmt auch eine Melone drin," so die in Köln lebende Künstlerin. Senay Duzcu ist im Alter von drei Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Sie sagt über sich, dass sie sowohl deutsch als auch türkisch ist, und sich das manchmal in einer türkisch-deutschen Schizophrenie ausdrückt: Wenn sie beispielsweise zu spät zur Arbeit kommt, ist das aus ihrer türkischen Mentalität heraus, und wenn sie pünktlich Feierabend macht, ist das dem Deutschen in ihr geschuldet. Situationskomik ist ein wichtiges Element in ihrem Programm. Wenn sie beispielsweise vorspielt, wie sich die türkischen Verwandten begrüßen und das Motto gilt: "Erst quetschen, dann quatschen!" Das Thema Sprache ist ihr ebenfalls ein wichtiges. Ihr Name, stammt, so hat man es ihr in den vergangenen Wochen erklärt, aus dem Bayerischen. "Senay, das kommt von "Schee naj" damit ist das Bier gemeint, das ins Glas geschenkt wird" berichtet sie stolz.
Es gibt aber auch ernste Themen, die sie anspricht, beispielsweise den Rassismus. Sie betont: "Der ist auf der ganzen Welt zu finden". Gefreut hat sie sich, als sie in Mecklenburg-Vorpommern auftreten sollte, denn dort gibt es sehr viele Nazis, aber keine Türken. "Ja, da kann ich machen, was ich will. Endlich mal keine Verwandten, die meinem Vater erzählen, was ich hier gemacht habe", sagt sie. Doch dann wird es wieder ernster, als sie berichtet, dass sie oft gefragt wird, was sie von den Vorkommnissen in Köln in der Silvesternacht hält. "Für mich sind das ganz schlimme Taten, und alle, die so etwas machen und die Gastfreundschaft in einem Land so missbrauchen, müssen gehen! Denn sonst fällt das auch auf die zurück, die hier wirklich Schutz suchen und brauchen. Das ist meine Meinung dazu", sagt sie entschieden. Dann kommt sie aber wieder abrupt ins Comedy zurück, indem sie davon spricht, dass doch in Deutschland eigentlich alle einen gemeinsamen Feind haben, nämlich die deutsche Bahn, und wenn sie von mürrischen Verkäuferinnen erzählt. Die thematischen Brüche in ihrem Programm verzeiht man Senay Duzcu gern, weil sie einfach authentisch und sympathisch ist.
In ihrem Programm fragt sie "Was muss passieren, dass wir uns gerne haben?" "Mehr gemeinsam lachen ist da schon ein Anfang!", könnte die Antwort lauten. Und dazu hat sie einen wichtigen Beitrag mit ihrem Programm geleistet.