Tufa-Musical "9 to 5" feiert umjubelte Premiere in Trier

Theater : Das Sekretariat schlägt zurück

Die ausverkaufte Premiere von „9 to 5“ im großen Saal der Tufa begeistert (nicht nur) Zuschauer, die ihren Chef hassen.

Franklin Hart jr. (Stephan Vanecek) lässt als Chef insbesondere seinem weiblichen Personal gegenüber so richtig die Sau raus. Doralee (Katharina Scherer) ist vor seinen sexuellen Nachstellungen nicht sicher, Violet (Ina Mareike Packroß) wird bei Beförderungen regelmäßig übergangen, und die gerade erst eingestellte Judy (Ophelia Wawer) erfährt von ihm keinerlei Wertschätzung. Auch die restlichen Angestellten der Firma Consolidated – für welche Art Unternehmen das eigentlich steht, wird witzigerweise nie erklärt – haben es nicht leicht. Dass die Demütigungen ihres Chefs nicht ungesühnt bleiben, ist klar. Das Sekretariat schlägt zurück – mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Der Untertitel des Musicals 9 to 5 lautet „Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um?“ – mit Fragezeichen! Es entführt die Zuschauer in die Arbeitswelt der 1970er Jahre, wo anzügliche Witze Frauen gegenüber an der Tagesordnung waren und Männer mehr verdienten als Frauen. „Moment – das gibt es ja auch heute noch“, mag sich so manche Besucherin der Premiere denken und erkennt sich und andere wieder. Man sieht Kriechertum, Stutenbissigkeit, Verschwörungen in der Kaffeeküche – den üblichen Bürowahnsinn eben –, nur in witzig. Und das macht den Reiz des diesjährigen Tufa-Musicals unter der Regie von Stephan Vanecek aus. Das Stück, das aus der Feder von Countrysängerin Dolly Parton stammt, zeigt den Büroalltag in allen Facetten und geht das eigentlich bittere Thema Diskriminierung mit viel Humor und flotter Musik an – schließlich handelt es sich um ein Musical, nicht um ein Kammerspiel. Das absichtlich  minimalistisch gehaltene Bühnenbild und die technischen Probleme zu Beginn der Premierenvorstellung rücken in den Hintergrund, wenn 30 Darsteller spielen, tanzen und singen. Vor allem Ophelia Wawer, Ina Mareike Packroß und Katharina Scherer überzeugen durchweg mit beeindruckendem  Gesang, dem richtigen Timing und harmonischem Spiel.  Vanecek gelingt es in seiner Rolle des schmierigen Chefs, dass die Zuschauer bereits beim ersten Auftreten auf der Seite der Angestellten sind. Auch Philipp Gonder nimmt man den verliebten Kollegen ab („Achtung: Süßer Buchhalter auf 11 Uhr“). Denn ganz ohne Liebesduett geht es natürlich auch bei diesem Musical nicht. Ein echter Kracher ist Claudine Schott in der Rolle der Roz, die ständig ihren Kollegen hinterherspioniert, um anschließend beim Chef zu petzen. Unverständlicherweise ist sie in den von allen gehassten Chef verliebt und hat somit eigentlich den Part der Unsympathin. Durch ihr komisches Talent, die exzellente Stimme und ihre Wandlungsfähigkeit ist sie allerdings binnen kurzer Zeit der Publikumsliebling. Vanecek zeigte wieder einmal ein gutes Händchen bei der Besetzung auch bis in die kleinsten Rollen. Immerhin besteht das Team zum größten Teil aus nicht professionellen Künstlern, die sich für die diesjährige Produktion mit Castings und Workshops zu einem Ensemble formierten, das sich sehen und hören lassen kann. Eins steht schon jetzt fest: Der langanhaltende Applaus wie bei der Premiere im ausverkauften großen Saal der Tufa wird nicht der letzte sein, den die 30 Darsteller und elf Orchestermitglieder in den nächsten Wochen hören werden: Insgesamt 14 Vorstellungen werden gespielt, einige sind bereits ausverkauft.

Weitere Termine: (15.), 20., 21., 22., 26., 27., 28., 29.9. und 03., 04., 05. und 06.10. sKarten: www.ticket-regional.de

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