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Tufa zeigt Arbeiten von Studierenden der Kunsthochschule Mainz​

Kunstausstellung : Fliegen und Zuckerstangen

Die Werke von NachwuchskünstlerInnen sind derzeit in der Trierer Tufa zu sehen. Es sind originelle Arbeiten von Studierenden der Kunsthochschule Mainz in unterschiedlichen Genres.

„Progress“ (Fortschritt) heißt der Titel der aktuellen Ausstellung im zweiten Obergeschoss der Trierer Tufa. Als Kooperation des örtlichen Kunstvereins Junge Kunst und der Kunsthochschule Mainz werden dort Arbeiten von Studierenden der Hochschule gezeigt. Kooperationen wie diese seien wichtige Impulse für Stadt und Kunstszene, betonte Kulturdezernent Markus Nöhl zur Eröffnung. Einmal mehr verwies der Kulturpolitiker auf die Notwendigkeit, sich neuen ästhetischen Erfahrungen zu öffnen, selbst wenn diese nicht den eigenen Erwartungen entsprächen.

Der Titel der Schau irritiert allerdings. Ist doch die alte Streitfrage, ob es in der Kunst überhaupt einen Fortschritt gibt, seit Friedrich Nietzsche bis heute negativ beschieden. Anders als in Wissenschaft und Technik gibt es in der Kunst keine immer bessere Entwicklung. Dass sich Bildsprachen und ihre Mittel trotzdem ständig verändern, rührt vom permanenten zeitgeistigen Wandel und den gesellschaftlichen Entwicklungen, von denen auch die Kunst nicht zu trennen ist. Daraus entstehen stetig neue Ideen und eine immer breitere Palette der Ausdrucksmittel und -formen.

Von welchem Fortschritt ist hier also die Rede? An der Mainzer Kunsthochschule gehe es vorderhand nicht darum, Techniken zu erlernen, stellte Rektor Martin Henatsch klar, der ebenfalls zur Eröffnung gekommen war. Stattdessen sei es Ziel der Akademie, den Studierenden zu ermöglichen, sich an der ganzen Bandbreite der bildnerischen Mittel zu versuchen, um den eigenen Weg zu finden. Als Schritt auf dem Weg dorthin sind somit auch die ausgestellten Arbeiten zu verstehen, nicht zuletzt als Selbstvergewisserung.

Zu sehen sind in der Gemeinschaftsausstellung elf künstlerische Positionen, wobei die Teilnehmerinnen mit sieben gegenüber vier männlichen Kollegen in der Überzahl sind. Gezeigt werden Malerei, Grafik, Bildhauerei, Installationen, Film- und Medienkunst. Beim Rundgang stellt sich eine interessante Ausstellung dar, die nicht nur vom Willen der Studierenden zeugt, die herkömmliche Wahrnehmung zu hinterfragen und zu einer eigenen Bildsprache zu finden. In den ausgestellten Arbeiten werden zudem eigenes Erleben und eigene Welterfahrung glaubhaft und dringlich im Bild gefasst.

Assoziativ und teilweise interaktiv treten die Arbeiten in einen lebendigen Dialog mit dem Betrachter. Dabei fallen einige Positionen besonders auf. Eine ausgesprochen beredte, vielfältig sinnlich erfahrbare und dabei ästhetisch gelungene Arbeit ist die mehrdeutige Installation der Armenierin Ani Barseghyan. Es geht um Brüche und das Fragmentarische von Wahrnehmung und Wirklichkeit. Wer über die am Boden liegenden Bruchstücke geht, hört im Knacken die eigenen zerstörerischen Schritte und wird sich der Brüchigkeit des Untergrundes bewusst. Das Knacken erinnert allerdings auch an das Brechen der dünnen spröden Brotfladen orientalischer Kulturen.

Existenzielles zum Thema Mann setzt schwungvoll und witzig Anna Reiter ins Bild. „Ich interessiere mich für den sexy Mann als Subjekt“, erklärt die Künstlerin in einer Selbstdarstellung. Als „Zuckerstange“ in süßen Pastelltönen präsentiert sie in einer virtuosen, sich zum Gemälde verdichtenden Buntstiftzeichnung mit wimmelndem Innenleben, den Dauerlutscher am männlichen Körper.

Den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kunst schlägt Leonard Schlöder in seiner interaktiven Installation „Finally hatched (endlich geschlüpft) Stadium III“. In einer Kabine schwirren dabei in einem Glaskubus Fliegen, deren Verhalten sich mit den Verhältnissen draußen und der Einwirkung von dort, etwa durch Besucher ändert. Augenzwinkernde Erinnerungsarbeit leistet Simone Eisele in ihrer Installation „He always loved trains“.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 10. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils 14 bis 17 Uhr; Donnerstag 17 bis 20 Uhr; Samstag und Sonntag: 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter: www.tufa-trier.de und www.junge-kunst-trier.de