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Turbo-Behörde für die Geschichte

Turbo-Behörde für die Geschichte

Das kulturelle Erbe in Rheinland-Pfalz hat eine neue Struktur und einen neuen Chef. Die Berufung von Thomas Metz zum Direktor der entstehenden "Generaldirektion Kulturelles Erbe" (GDKE) war alles andere als eine leichte Geburt.

Trier/Mainz. Schon seit langem hatte man im Mainzer Kulturministerium an einer Neu-Strukturierung der Denkmalpflege und der Museumslandschaft gebastelt. Ziel: Die bislang unabhängig voneinander agierenden Bereiche Denkmalpflege, Landesmuseen, Archäologie und historische Liegenschaften unter einem Dach zusammenzufassen. Mehr Effizienz und Schlagkraft, weniger Behördendenken: So lautete die unausgesprochene Devise.Den Wunsch-Kandidaten zur Umsetzung des Groß-Reform gab es auch: Thomas Metz, Leiter von "Burgen, Schlösser, Altertümer". Der 52-Jährige hatte innerhalb weniger Jahre die behäbige Administration der landeseigenen Baudenkmäler auf Trab gebracht und den Liegenschaften vom Amphitheater bis zur Festung Ehrenbreitstein neues Leben eingehaucht. Statt betulicher Konservierung stand behutsame Nutzbachmachung auf der Agenda, ganz im Sinne der kulturpolitischen Linie des Landes. Plötzlich war etwa in Trier der Weg frei für die Antikenfestspiele, die Kaiserthermen wurden aufgemöbelt, in der Porta Theater-Führungen angeboten. In die Thermen am Viehmarkt holte Metz gar eine Gummibärchen-Schau - und bescherte dem antiken Gemäuer ein Vielfaches früherer Besucherzahlen. Mit solcherlei Weltoffenheit machte er sich allerdings nicht nur Freunde. Und als vor Jahresfrist bekannt wurde, das Land wolle den Diplom-Ingenieur - und damit Nicht-Archäologen - zum Chef eines neuen Super-Amtes für alle Denkmal- und Museums-Belange machen, da regte sich in Behörden- und Denkmalschützerkreisen Widerstand. Die einen witterten den Ausverkauf des historischen Erbes, andere sahen den Einfluss der Landesmuseen vor Ort schwinden. Zudem dräuten Konkurrentenklagen frustrierter Mitbewerber.Das Ministerium, um Schadensbegrenzung bemüht, nahm den Kritikern den Wind aus den Segeln. Es berief den Landeskonservator Archäologie, Gerd Rupprecht, zum Metz-Stellvertreter. Und, vielleicht noch wichtiger: Die Funktion des Landeskonservators Denkmalpflege wurde von der Stelle des Generaldirektors getrennt und soll von Joachim Glatz, einem exponierten Denkmalschützer, übernommen werden. So gibt es innerhalb der neuen Turbo-Behörde ein stabiles Gegengewicht zum innovationsfreudigen Chef. Das Landesamt für Denkmalpflege und "Burgen, Schlösser, Altertümer" sind bereits zusammengeführt worden, die Landesmuseen sollen zum Jahresende hinzukommen. Trier wird, so viel scheint sicher, trotz der engeren Anbindung an die GDKE, eine ungeschmälerte Direktorenstelle behalten. Wenn die kommissarische Leiterin Karin Goethert im nächsten Jahr, wie angedeutet, in den Ruhestand geht, dürfte die Generaldirektion auf eine Verjüngung setzen. Womöglich haben sich bis dahin im Umfeld der Konstantin-Ausstellung potenzielle Nachfolger profiliert.