Turbulente Familiengeschichte nach altbewährtem Rezept

Turbulente Familiengeschichte nach altbewährtem Rezept

"Kein Wort zu Papa", bittet Dora Heldt in ihrem neusten Roman. Nach den großen Erfolgen mit "Urlaub mit Papa" und "Tante Inge haut ab" setzt die Autorin auf Altbewährtes: Romanheldin Christine kämpft sich einmal mehr durch die Irrungen und Wirrungen der Liebe.

Trier. (eg) Christine Schmidt, mal wieder unglücklich verliebt und mal wieder beruflich wenig erfolgreich, bekommt einen mysteriösen Anruf von ihrer Freundin Marleen. Die sitzt mit ihrem neuen Freund in Dubai im Gefängnis und sucht dringend jemanden, der auf ihre kleine Pension auf Norderney aufpasst. Also machen sich Christine und ihre Schwester Ines kurzentschlossen auf, um das Haus und den guten Ruf der Freundin zu retten. Und da beide keine Ahnung von einem Pensionsbetrieb haben, lässt das Chaos nicht lange auf sich warten.

Während sich die Schwestern tapfer mit übellaunigen Gästen herumschlagen, die Küche in ein Schlachtfeld verwandeln und sich gleichzeitig eine Lügengeschichte nach der anderen für Marleens plötzliches Verschwinden ausdenken, machen ihnen immer mehr rätselhafte Gestalten das Leben auf der Insel schwer. Allen voran der schmierige Inseljournalist Gisbert von Meyer in bester Horst-Schlämmer-Manier, ein rätselhafter Krimiautor und zu allem Überfluss auch noch Christines große Liebe aus Teenietagen.

Die Eltern machen das Drama perfekt



Das Drama perfekt machen Mama und Papa Schmidt, die mit Freunden in die kleine Herberge einfallen, um ihren Töchtern Beistand zu leisten und wie auch schon in früheren Romanen detektivisch aktiv werden.

Dora Heldts Heerschar von Protagonisten neigt zur Überzeichnung: Inselreporter Gisbert von Meyer ist nicht neugierig, sondern sensationsgeil, Vater Schmidt nicht naiv, sondern einfältig und Christine selbst ähnelt manchmal mehr einem halb erwachsenen Teenie als einer Frau in der Midlife-Crisis. Das ist ganz lustig, über ein Schmunzeln kommt man in der zuckrig-süßen Geschichte aber oft nicht hinaus.

Außerdem dehnt sich die Handlung ausgesprochen langatmig, man wartet und wartet auf den großen Knall. Und erlebt ein recht plötzliches Holterdiepolter-Ende, dass einen etwas enttäuscht zurücklässt. Um es mit den Worten von Christines Mutter, der selbst ernannten Meisterköchin der Pension zu sagen: "Eine delikate Bouillabaisse, die eine kleine Prise Salz zu viel abbekommen hat."

Dora Heldt: Kein Wort zu Papa, Deutscher Taschenbuch Verlag, 380 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3-423-24814-3

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