Turbulenzen auf dem Kirchberg: Führungswechsel bei der Philharmonie?

Luxemburg · Das Erfolgsmodell Philharmonie Luxemburg droht seine Führungsspitze zu verlieren. Intendant Matthias Naske steht angeblich vor dem Wechsel zum Wiener Konzerthaus, Stellvertreter Stefan Rosu schmeißt den Bettel völlig überraschend hin.

Luxemburg. Dass Matthias Naske für nahezu alle Spitzenpositionen an europäischen Konzerthäusern gehandelt wird, ist nichts Neues. Aber noch nie war es so ernst. Für die Presse in Wien ist längst ausgemacht, dass der gebürtige Wiener im Sommer 2013 die Nachfolge des scheidenden Bernhard Kerres antreten wird. Für den Job an der Spitze eines der weltweit renommiertesten Häuser war Naske schon 2006 im Gespräch gewesen. Damals hatte er Wechselabsichten ausdrücklich dementiert und in der Folge seinen Vertrag in Luxemburg zwei Mal verlängert - zuletzt bis 2015.
Dass er diesen Zeitpunkt noch auf dem Kirchberg erlebt, wird immer unwahrscheinlicher. Naske hält sich bedeckt, bestätigte aber gestern auf zahlreiche Presseanfragen, dass es Verhandlungen gebe. Die Berufung nach Wien sei eine "reale Option", aber noch nicht entschieden. Falls es zu einem Wechsel komme, werde er professionell abgewickelt. In der Presseabteilung der Philharmonie verlautet, es werde bis Mitte September eine Entscheidung geben.
Dementis klingen anders. Immerhin steht Naske, 1963 in Wien geboren, schon im neunten Jahr am Steuerrad der Philharmonie - im internationalen Musikmanagement gilt eine Dekade in der gleichen Funktion schon als ungewöhnlich lang.
Vor dem Hintergrund der Wechselspekulationen schlug gestern eine zweite Personalie wie eine Bombe ein: Stefan Rosu, zweiter Mann nach Naske und zuständig für die heikle Zusammenführung der Philharmonie und des bislang selbstständigen Philharmonischen Orchesters (OPL), geht im September. Er habe die Fusion und die Neuausrichtung des Orchesters "rascher realisiert und umgesetzt, als dies ursprünglich geplant war", heißt es offiziell. Deshalb werde er bei der Philharmonie aussteigen, das OPL aber weiter beraten.
Gegen diese Version spricht, dass selbst gut informierte Orchesterkreise sich gestern völlig überrascht über den plötzlichen Abgang ihres Managers zeigten. Noch vor wenigen Monaten hatten Naske und Rosu gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt - keine Rede von Abgang.
Der personelle Doppelschlag heizt die Gerüchteküche an. Durchaus plausibel wäre, dass Matthias Naskes Wechsel intern längst eingetütet ist - und die Verantwortlichen in Luxemburg Stefan Rosu klargemacht haben, dass er als Nachfolger nicht zur Debatte steht.
Licht ins Dunkel könnte die Politik bringen: Die DP-Abgeordnete Anne Brasseur hat Kulturministerin Octavie Modert aufgefordert, im Kulturausschuss des Luxemburger Parlaments Rede und Antwort zu stehen.

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