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TV-Leser meinen: Die Musikkassette lebt!

Tessa Huhn aus Gusterath zeigt einen Original-Kassettenrekorder aus den 80er Jahren. TV-Foto: Hans Krämer
Tessa Huhn aus Gusterath zeigt einen Original-Kassettenrekorder aus den 80er Jahren. TV-Foto: Hans Krämer
Heute wird das letzte Werk in Deutschland geschlossen, das Musikkassetten produziert, die Firma Pallas im niedersächsichen Diepholz. Wir haben unsere Leser nach ihren Erinnerungen an die Musikkassette gefragt, die über 40 Jahre lang das Medium war, um Musik zu hören, bevor es von MP3-Playern und iTunes abgelöst wurde. Von unserem Redakteur Hans-Peter Linz

Trier. Sie hat Generationen geprägt und der Musikindustrie den Weg frei gemacht. Die Kompaktkassette war das erste massentaugliche Medium, mit dem man Musikstücke aufnehmen und vor allem die Zusammenstellung selbst festlegen konnte. Erst durch sie war es für viele Menschen möglich, einen eigenen Musikgeschmack zu entwickeln. Manch einer hat in den 70er Jahren am Wochenende mit dem Mikrofon seines Kassettenrekorders vor dem Radio auf die Hitparade gelauert, um seine Lieblingslieder aufzunehmen, weil das Taschengeld noch nicht reichte, um die teure Schallplatte zu kaufen. Aber damit ist nun Schluss. Das letzte Musikkassettenwerk, die Firma Pallas in Diepholz, stellt heute die Produktion von Kassetten ein. Viele TV-Leser bedauern das und erinnern sich an alte Zeiten, mit oder ohne Bandsalat.

Peter Dambly aus Musweiler (Bernkastel-Wittlich) meint: ."Sehr viel verbinde ich mit der Erinnerung an die gute alte Kassette. Die erste große Liebe in den sechziger Jahren. Die erste Soundanlage in meinem ersten Auto mit einem der ersten Kassettenrekorder von Phillips. Auf einigen meiner circa 200 Kassetten befinden sich außer Musik auch noch Kindergespräche meiner längst erwachsenen Töchter. Ich werde mich also keinesfalls von ihnen trennen. Sie sind Zeitdokumente einer nun anscheinend verflossenen Ära." Kinderkassetten werden heute noch bei Tessa Huhn in Gusterath (Trier-Saarburg) gehört: "Auch ich habe noch Kassetten; Kisten voll! Und bin froh, dass unsere Enkel sie im Auto, beim Spielen und beim Schlafen gehen hören können. Obwohl der zwölf jährige Benjamin sie ,Nanas altmodischen Kram' nennt, hört er doch gerne die T.K.K.G. Geschichten! Und ich könnte mir kein lange Autofahrt vorstellen, ohne mein alten Beach Boys- und Cat Stevens-Kassetten!" Nostalgische Erinnerungen werden bei Martin Dücker aus Morscheid (Trier-Saarburg) wach: "Gestern an der Ampel an der Ostallee. Warten bei geöffnetem Fenster. Affenhitze und mal wieder rot. Plötzlich diese vertraute Musik in meinen Ohren: ,The Doors'. Ich schließe meine Augen und versuche mich zu erinnern. Wie lange ist das jetzt schon wieder her? Vielleicht 35 Jahre, nein exakt 38. Der Glocken-Jupp (Wirt einer Trierer Kult-Kneipe) und ich, wir waren mal wieder unterwegs nach Paris. In fünf Stunden sind wir an der Sacré Coeur und erleben einen herrlichen Sonnenaufgang. Wohlgemerkt, wir fuhren die Route National, und wir fuhren in seinem alten Renault 4. Da ich noch keinen Führerschein besaß, bestand meine Hauptaufgabe darin, für die richtige Musik zu sorgen. Im Auto befand sich ein tragbarer Kassettenrekorder, den ich provisorisch angeklemmt hatte, aber bei Jupps Fahrstil flog der Kasten von einer Ecke in die andere. Das eigentliche Drama ließ in der Regel nicht lange auf sich warten: Bandsalat! Nun war ich gefordert. Mittels Kugelschreiber und geduldigen Fingern gelang es mir immer wieder, die Kassetten in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Jupp schmunzelte auf seine unnachahmliche Art und zog an seiner Gitane-Mais. ,Riders on the Storm': Bei Sonnenaufgang waren wir in Paris."

Stephan Schneider aus Konz findet, dass die Kassette noch nicht ausgedient hat: "Ich gehöre der Altersgruppe an, die Schallplatten (hauptsächlich klassische Musik) gekauft und Hitparaden auf Tonbandspulen mitgeschnitten hat. Hauptsächlich für den Gebrauch im Auto habe ich Kassetten aufgenommen. Später gab es für die Kinder Hörkassetten für deren Walkmen mit Kopfhörer. Manchmal schiebe ich auch heute noch eine Kassette (Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd) ins Autokassettenradio. Für den Einsatz im Fremdsprachenunterricht halte ich die altmodische Kassette nach wie vor für praktischer als die CD. Meine privaten MC halten hoffentlich noch lange durch!"