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TV-Serie: Der Schweicher Johannes Klar und sein Einsatz in der Chorszene

Porträt : Er verbindet Generationen beim Singen

Seit 1977 ist er hauptamtlicher Kirchenmusiker in Schweich. Klar hat in der kirchlichen und weltlichen Chorszene viel bewirkt. 

Wie Johannes Klar mit 24 Stunden am Tag auskommt, ist vielen Menschen ein Rätsel. Denn er hat neben der Kirchenchorgemeinschaft das Vokal-, Männer und Frauenensemble, die Chorjungs, die Kolpingsänger, noch einige weitere Chöre. Er geht in die Grundschule, um mit den Kindern zu singen, ist bei Seniorentreffen dabei, Kirchenmusiker in Schweich, Dekanatskantor, Kreis­chorleiter, im Musikausschuss des Landeschorverbandes, organisiert etliche Chorkonzerte und bestimmt noch einiges mehr. Das kann man nur machen, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist und man von den Sängern mit denen man arbeitet, etwas zurückbekommt, in Form von musikalischer Steigerung und der Bereitschaft, sich einzubringen. Angefangen hat seine musikalische Laufbahn um 1965, als der Sehlemer Pastor Johannes Schreiner ihm ein Harmonium geschenkt hat. Er erinnert sich: „Ich war damals Messdiener und er hat mein musikalisches Talent erkannt. Anneliese Franzen war meine erste Lehrerin und so hat sich das Ganze langsam, aber stetig entwickelt.“

Wichtig ist ihm, immer offen zu sein für neue Verbindungen, über den Tellerrand hinauszuschauen und am Puls der Zeit zu bleiben. Er bietet viele Fortbildungen an, für seine Chöre, für Chorleiter und nimmt selbst an einigen teil. Im Januar dieses Jahres war beispielsweise Tristan Meister als Dozent in Schweich. Er ist Herausgeber mehrerer Chorbücher, regelmäßig Juror bei Wettbewerben, als Ausbilder für Chordirigieren an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und der Musikhochschule Frankfurt. Zudem sieht sich Johannes Klar sich als Brückenbauer zwischen den verschiedensten Institutionen und Generationen. Die Neujahrskonzerte, die in Schweich stattfinden, sind oft als Projekt ausgeschrieben, so dass Personen aus der gesamten Region teilnehmen können. Er organisiert seit vielen Jahren auch sogenannte Regionalkonzerte, zu denen Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Landkreisen und aus verschiedenen Chorgattungen kommen. „Es sind Kirchenchöre genauso gut wie Pop- und Soulsänger unter den Teilnehmern“, berichtet Johannes Klar. In seinen Proben geht der ausgebildete Sänger und Gesangslehrer, der nie eine Solokarriere angestrebt hat, sondern in seinem Studium mehr über die Stimme erfahren wollte, mit seinen jeweiligen Sängern bis an die Grenzen. „Man muss natürlich auch wissen, wer vor einem sitzt. Von meinem Vokalensemble kann ich mehr verlangen als von meinem Kirchenchor, aber trotzdem bin ich bei allen ein Qualitätsverrückter“, sagt er lachend. Das hat sich bei den vergangenen Meisterchorsingen ausgezahlt, denn sein Vokal­ensemble hat im Mai vergangenen Jahres in Worms zum fünften Mal in Folge am Meistersingen teilgenommen und wurde als bester Chor des Wettbewerbs geehrt.

Großen Wert legt er auf die Arbeit mit allen Generationen. Seit 15 Jahren geht er einen Vormittag pro Woche in die Grundschule und singt mit den verschiedenen Klassen jeweils eine halbe Stunde. Daraus hat sich auch die Idee entwickelt einen Jungenchor, die „Chorjungs“ zu gründen. „Es wird sehr viel für Mädchen im kulturellen Bereich getan, deshalb wollte ich auch den Jungen den Spaß am Singen vermitteln.“ Beim Adventssingen waren sie schon integriert. „Ich finde es manchmal schade, wenn sich Chöre beschweren, dass sie keinen Nachwuchs haben, denn man muss auch etwas tun dafür. Kommunikation ist sehr wichtig. Man muss mit den Generationen im Gespräch bleiben und alle wertschätzen.“

Um seine Arbeit so anbieten zu können braucht es auch eine gute Infrastruktur und finanzielle Mittel. „Mit dem Pfarrheim in Schweich habe ich da wirklich tolle Räume, in denen ich sehr gut auch mit großen Chören arbeiten kann. Das ist sehr wertvoll.“

Finanziell unterstützen die Chorverbände des Landes, das Dekanat,  der Fachverband der Chorleiter und der Förderkreis Pro Cantus. Der Zeitaufwand, den er mit der Musik hat, nennt er: „Unbegrenzt. Man ist eigentlich immer programmiert und meistens in einer wohltuenden Spannung“, fasst er abschließend zusammen.

Christina Bents