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TV-Serie Legendäre Konzerte: The Lords

TV-Serie Legendäre Konzerte : „Rhythmische Zuckungen“

TV-Leser erinnern sich: Schon 1965 sorgte ein Lords-Konzert in Trier für Aufregung.

 TV-Leser Franz Mergelmeyer hat die Lords einst im Apollo-Theater Trier live gesehen. Und beim Lesen des Artikels „Oh Apollo! Großes Kino mit Lokalhelden“ (TV vom 12. November, Serie „Was für eine Show“) über den legendären Auftritt 1967 war er irritiert: „Ich glaube mich zu erinnern, dass als Vorgruppe nicht die Black Cats gespielt haben, sondern eine Band mit Namen Penny Saints“, schrieb er dem TV.

Können sich alle Befragten so getäuscht haben? Die detaillierten Erinnerungen der damals Anwesenden und der Black-Cats-Musiker? Telefonische Nachfrage bei Franz Kirsch aus Schleich, jahrelang Schlagzeuger und Bandleader bei den Penny Saints: „Stimmt. Wir haben im Apollo-Theater vor den Lords gespielt – allerdings nicht bei dem beschriebenen Auftritt 1967, sondern zwei Jahre vorher“, erinnert er sich. Die von den Lords damals unterschriebene Autogrammkarte hat Kirsch noch. Neben den Penny Saints und den „deutschen Beatles“, den Lords, hatte noch eine weitere regionale Band damals beeindruckt: die Kings. Kirsch hat auch noch den Zeitungsausschnitt vom Konzert 1965, der Titel: „Ein großer Tag für die Beat-Fans“ – und der ist auch 55 Jahre nach der Veröffentlichung noch durchaus unterhaltsam: Zuerst hatten die Lords eine Autogrammstunde in Trier gegeben, danach traten die ebenfalls gelobten Penny Saints auf, dann die Kings: „Von ihnen ließ das nunmehr ausverkaufte Haus sich schon begeistern.“ Mit dabei: einer „der wohl jüngsten deutschen Beat-Schlagzeuger“, Leo Lauter. Es folgte eine Bremer Band, die Germans, bevor dann der Topact randurfte. Kommentar des TV-Kritikers damals: „Deutschlands populärste Beat-Formation, The Lords, war gut in der Show, perfekt im Rhythmus, glänzend im Beat. (…) Am Donnerstagabend flogen aber zunächst nur Papierfetzen und -blätter, dann wurden aber auch mitgebrachte alte Kleidungsstücke zerrissen. Auch war man nicht überrascht, daß fast alle im Saal klatschten, schrien, kreischten und sehr viele sich in rhythmischen Zuckungen wanden. Schlägereien und Demolierungen blieben aber aus“, schrieb der Journalist. „Die erste Beatveranstaltung überregionalen Ranges ist nun also in Trier über die Bühne gegangen, ohne Krawall und zur schließlich entscheidenden Zufriedenheit Hunderter Fans.“

Eine Zuschauerin erinnert sich in einem Kommentar in der Facebook-Gruppe „Mayouthebetter“ aber an eine dramatische Situation vor dem Konzert 1965: „Ich stand genau vor der mittleren Schwingtür und wartete auf den Einlass. In einer plötzlichen Eingebung drehte ich mich mit meinem Rücken zur Tür, sodass ich die Holzrahmen – die mit Glas gefüllt waren – genau im Rücken hatte. Das Gedränge und Geschiebe wurde immer stärker, das Glas machte kracks und mein unmittelbarer Nachbar wurde durch das Glas gedrückt und schwer verletzt. Ich hatte außer ein paar blauer Flecken nichts abbekommen. Dann stürmte die Menge ins Kino ...“