Ausflugstipp: TV-Wanderwochen: Thüringer Wandersmann verliebt sich schon vor 120 Jahren in die Mosel

Ausflugstipp : TV-Wanderwochen: Thüringer Wandersmann verliebt sich schon vor 120 Jahren in die Mosel

Vor 120 Jahren: Wie der Thüringer Wandersmann August Trinius zum "begeisterten Sänger der Mosel" wurde.

Vom Parkplatz am Moselufer in Kues führt eine kleine Straße hinauf zur Güterhalle: die Triniusstraße. Ein Hinweis auf ihren Namensgeber findet sich auf dem anderen Moselufer, im Tiefenbachtal oberhalb der Burg Landshut. Dort hat man in einer Felswand eine Gedenktafel angebracht: "Dem begeisterten Sänger der Mosel Herrn Geheimrat A. Trinius zu Waltershausen in Thüringen in dankbarer Verehrung gewidmet von der Stadt Bernkastel-Cues."

Carl Freiherr von Küster (1851-1919) war unter seinem Künstlernamen August Trinius ein viel gelesener Reiseschriftsteller seiner Zeit. Geboren in Schkeuditz bei Leipzig, aufgewachsen in Erfurt, arbeitete er als Buchhalter in Berlin, bevor es ihn wieder nach Thüringen zog - in die Kleinstadt Waltershausen am Rande des Thüringer Waldes. Von dort aus unternahm er zahlreiche Wanderungen, über die er ausführlich berichtete. Acht Bände umfasst sein "Thüringer Wanderbuch", das ihn als "Thüringer Wandersmann" bekannt machte. Er verhalf dem Rennsteig zur Popularität und erfand den Slogan "Das grüne Herz Deutschlands", mit dem das Bundesland Thüringen noch bis vor zehn Jahren ganz offiziell für sich warb. Die vierteilige Reihe seiner Flusswanderbücher enthält jedoch nicht nur - wie zu erwarten - Beschreibungen von Werra, Saale und Unstrut, sondern auch von der Mosel, nach Trinius' Worten: "lieblichster deutscher Strom!"

"Von der Trarbacher Höhe stieg ich zum ersten Male vor Jahren nach Bernkastel im sinkenden Tagesscheine nieder, während drüben um die Kuppen der Eifel ein flimmerndes Feuermeer schwamm", schreibt Trinius in seinem 1897 erschienenen Wanderbuch "Durch's Moselthal". Und weiter: "Ueber der Mosel webten Abendschleier, und sacht verklang das Tagwerk in den Gassen der Stadt. In diesem Anblick habe ich Bernkastel lieb gewonnen!"
Zu diesem Zeitpunkt hat der Thüringer Wandersmann schon mehr als die Hälfte auf dem Weg nach Trier zurückgelegt, denn gestartet ist er in Koblenz am Deutschen Eck im Jahr 1897.

Für den heutigen Leser des Buches sind solche historischen Bezüge besonders interessant. So heißt es etwa über den "Doppelort Traben-Trarbach": "Eine Fähre verbindet beide Orte, die, mit elektrischem Lichte versehen, mit ihrem fürtrefflichen Straßenpflaster, den schmucken Häusern, auf jeden Fremdling den günstigsten Eindruck machen." Drei Dinge sind bemerkenswert: Erstens spricht Trinius bereits von Traben-Trarbach, obwohl beide Orte erst 1904 fusionierten, zweitens war elektrisches Licht noch keine Selbstverständlichkeit - Traben und Trarbach gehörten zu den ersten Orten in ganz Deutschland, die damit ausgestattet wurden - und drittens wurde mit dem Bau der Moselbrücke erst ein Jahr später begonnen.

Auch die Moselbahn, das "Saufbähnchen", fuhr noch nicht, war aber bereits in Planung. Sehr zum Unmut von Trinius: "Wie schön das Wandern, wenn kein Pfiff der Lokomotive hineinschrillt, nirgends ein Fabrikschornstein die Schönheitslinien der Landschaft brutal unterbricht, das Klingeln herankeuchender Radler uns aus Sinnen und Träumen aufschreckt!" In seinem späteren Buch "Die Mosel und ihre Burgen" schreibt er allerdings: "Und ob jetzt auch eine neue Uferbahn bis hinauf nach Trier sich windet: an dem Charakter dieses Tals vermochte sie nicht viel zu ändern."

Anders als heutige Wanderführer ist Trinius' Buch nicht gespickt mit Karten, Entfernungsangaben und Höhenprofilen, nicht einmal Bilder sind darin enthalten. Im Plauderton führt der Autor seine Leser durch das Moseltal, erzählt Geschichte und Geschichten - etwa von den Viehställen gegenüber von Mehring, die im Volksmund "Kühstantinopel" genannt werden, von Bernkastel, wo 1897 zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. Wein aus dem Marktbrunnen floss, und von Merl, das "die größte Kirche an der Mosel" besitze, weil am einen Ortsende ein Gotteshaus ohne Turm, am anderen ein Turm ohne Gotteshaus steht.

Dem Wein ist Trinius besonders zugetan, er berichtet von den "mit allen nur erdenklichen Hülfsmitteln moderner Technik ausgestatteten" Kellereien in Traben-Trarbach, lobt den Moselwein als "heiter-prickelnd, von einer unbeschreiblichen Zartheit der Blume und würzigen Geschmackes" und beklagt die Fälschungen, die in aller Welt als "Bernkastler Doktor" verkauft werden.

Einen Abstecher nach Bad Bertrich schiebt Trinius mit einem nicht genannten Begleiter ebenfalls ein, denn: "Wenn zwei Thüringer rauschenden Hochwald sehen, geht ihnen das Herz über." Doch so sehr er auch seinen Thüringer Wald liebt, stellt er fest, nachdem seine Reise an der Trierer Mariensäule zu Ende gegangen ist: "... wer die Mosel kennen gelernt hat, der kommt nicht wieder los von ihr, dem hat sie's angethan, und heiße Sehnsucht nach ihr füllt fortan ihm das Herz."
Extra: LITERATUR VON AUGUST TRINIUS

August Trinius um 1918. Foto: Otto Sixdorf/Archiv Waltershäuser Geschichtsverein. Foto: (g_kultur


"Durch's Moselthal - Ein Wanderbuch", 1897, Bruns Verlag, Minden in Westfalen. Ein Nachdruck (mit Titel "Durch's Moseltal" in modernisierter Schreibweise) ist 2011 im Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, erschienen. Digital ist das Buch kostenlos auf dilibri Rheinland-Pfalz ( www.dilibri.de ) verfügbar. "Die Mosel und ihre Burgen", ohne Jahrgang, K. Georg Kummers Verlag, Leipzig. Dieses Buch ist nur antiquarisch erhältlich.