Über 500 Springiersbach-Konzerte in 42 Jahren

Die Kulturmacher Gerd Vockensperger : Über 500 Springiersbach-Konzerte in 42 Jahren

Durch die Organisation von Kammermusikkonzerten im Kloster Springiersbach ist Gerd Vockensperger aus Bengel zum Reiseveranstalter geworden.

Gerd Vockensperger ist offensichtlich ein Trendsetter. Denn bereits 1977, acht Jahre, bevor das Mosel Musikfestival gegründet worden ist, brachte er die klassische Musik ins Bengeler Kloster Springiersbach.

Wie es dazu kam „Zwischen Koblenz und Trier gab es weit und breit nichts“, erinnert er sich. Der Anlass, klassische Konzerte selbst zu veranstalten, war der Besuch des belgischen Kammerorchesters Musici Academici, dessen Spiel Vockensperger begeisterte. „Die muss ich nach Springiersbach holen“, war sein Gedanke. Im Kloster fand seine Idee Anklang. Denn Konzerte verschafften dem Kloster Bekanntheit, war die Hoffnung von Klosterleitung und Vockensperger. Was sich bewahrheitet hat. Denn der Musikkreis Springiersbach, den Vockensperger 1977 gründete und bei dem er bis heute Vorsitzender ist, organisiert zwischen 20 und 22 Konzerte jährlich. Insgesamt sind es in den 42 Jahren mehr als 500 gewesen, schätzt er. Bis zu 120 Klassikfreunde besuchen seine Konzerte, die er zum größten Teil im Kuppelsaal des Klosters veranstaltet. „Wir haben ein Einzugsgebiet von Konz und Prüm bis Simmern“, freut er sich über die Resonanz. Die Innenhofkonzerte, die Vockensperger von 2000 bis 2012 veranstaltet hat, hat er inzwischen aufgegeben. „Das Wetterrisiko ist einfach zu groß. Ich habe oft Blut und Wasser geschwitzt.“ Zu den zahlreichen Konzerten kommen Sommerkurse für Musiker hinzu.


Die Hintergründe Was motiviert den Macher, Konzerte zu organisieren? „Es macht einfach Spaß, wenn die Leute glücklich sind“, sagt er. Wobei er für seine Konzerten oft hoffnungsvolle und junge Talente einlädt, die erstens bezahlbar sind und des Weiteren gut genug sind, auch auf größeren Bühnen auftreten zu können. „Hochrangige Leute kann ich mir nicht leisten“, sagt er. Zumal er auch komplett auf Sponsoren verzichtet. Die Einnahmen aus dem Flohmarkt am Kloster, die Mitgliedsbeiträge des 400 Mitglieder zählenden Fördervereins und die Eintrittsgelder müssen reichen, alles zu finanzieren. Seit mehr als 20 Jahren hat Vockensperger keine Förderanträge mehr gestellt. „Das ist mir zu lästig, ich bin mehr der Machertyp“, sagt er. Dabei achtet er darauf, dass die Eintritte unter 20 Euro liegen. „Ich will bezahlbar bleiben. Auch Leute mit niedrigem Einkommen und Rentner sollen sich die Konzertbesuche leisten können“, sagt er. Wobei der Altersschnitt der Besucher relativ hoch ist. Vockensperger, der sein eigenes Alter für sich behält, würde gerne in Schulen gehen und dort Konzerte geben. „Viele Lehrer haben von Klassik keine Ahnung“, sagt er.

Die Auswirkungen Seine Liebe zur Klassik veränderte auch Vockenspergers berufliche Laufbahn. Denn seine Konzertbesuche, von denen er gerne erzählte, animierten Bekannte, ihn bei ähnlichen Vorhaben um Hilfe zu bitten. Anlass für Vockensperger, seine Karriere als Drogist aufzugeben und seine eigene Reiseagentur für Konzert- und Kulturreisen zu eröffnen. „Das hatte irgendwann eine Eigendynamik entwickelt“, sagt er. Bis zu 150 Fahrten jährlich bietet Vockensperger an, von Ein-Tagesfahrten bis hin zu mehrtägigen Touren in ganz Europa. Seine besondere Leidenschaft gilt New York: 66 Mal ist er bereits dort gewesen. Vockensperger: „Ich bringe die Leute zu den Kulturen.“

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