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Über die Kunst Ruhe finden

Über die Kunst Ruhe finden

Einen intimen Raum der Kontemplation und des Dialogs schafft die Galerie Contemporanea in Oberbillig mit ihrer Herbstausstellung. Gezeigt werden dort die feinsinnigen Arbeiten von Brigitte Schwacke und Doris Kaiser.

Oberbillig. "Wie alles sich zum Ganzen webt, eins in dem andern, wirkt und lebt": Was Goethes "Faust" (der gerade in Trier hochaktuell ist) staunend erkennt, wird zum Bild in Brigitte Schwackes filigranen Arbeiten. Die Gewirke aus Fäden mit ihren Regelmäßigkeiten und Fehlern gelten als Symbol für das Leben mit all seinen Widersprüchen und Unzulänglichkeiten, seinen ruhigen wie bewegten Zeitläufen.
Brigitte Schwacke webt allerdings nicht im Wortsinn - sie häkelt. Als Faden verwendet die Bildhauerin aus München legierten Draht.
Häkeln als Technik und künstlerisches Ausdrucksmittel ist nicht ungewöhnlich. Ganz prominent nutzte bekanntlich Rosemarie Trockel das Häkelgarn als Material ihrer frauenrechtlerischen Proteste. Die Bildidee der 1956 geborenen Münchnerin Schwacke ist jedoch eine völlig andere: Ihre gehäkelten Maschen und Netz-Werke verbinden statt zu trennen. So wie jene kleinen Drahtobjekte, die im Rahmen eines interkonfessionellen Projekts und als Gemeinschaftsarbeit einer Frauengruppe entstanden sind. Ihre Verläufe und Strukturen, ihre Dichte und Offenheit sind Ausdruck von Frauenleben und deren Persönlichkeiten.
Es sind ungemein feine, transparente Objekte, die aus Schwackes künstlerischer Arbeit hervorgehen. Neben den Wandbildern sind es kleine feinmaschige Hohlköper, die an Körbe erinnern und die so zart anmuten, dass man sie kaum zu berühren wagt. Überhaupt ist es die feine Ästhetik und die Zartheit, die Schwackes Arbeiten so überzeugend macht und die sie in die Nähe von feinen Zeichnungen rückt. Das gilt vor allem für jene schwerelosen Luftzeichnungen aus Draht, die oben im Galerieraum schweben.
Luftige und kompakte Arbeiten


Gleichsam Halt finden Schwackes Gewirke mit ihrer inneren Dynamik in den Arbeiten von Doris Kaiser. Das eindrucksvolle Werk der 1958 geborenen Bildhauerin, die aus Trier stammt und heute in Krefeld lehrt, war bereits vor einigen Jahren in der Galerie Kloster Karthaus zu sehen. Anders als die luftigen Gebilde ihrer Kollegin wirken Kaisers kompakte, geschlossene Arbeiten ausgesprochen meditativ und in sich ruhend. Lediglich leichte Farbnuancen, diskrete Einwirkungen der Künstlerin in der Oberflächengestaltung und die Architektur der Objekte, Kuben und Wandbilder erzeugen eine lebhaftere Binnenstruktur und Bewegung. Zuweilen verläuft ein kleiner Haarriss durch die Fläche, ohne sie zu teilen, so wie die jedermann geläufigen Risse in Lebensläufen und Seelenlandschaften.
Überhaupt haben Kaisers weiße Wandbilder etwas von stillen Landschaften, deren Betrachtung still macht und den Blick des Betrachters ins eigene Innere lenkt. Im Fluss der Bilderflut und der Alltagshektik schaffen Brigitte Schwacke und Doris Kaiser einen Augenblick der Ruhe, der Nachdenklichkeit und des Halts, damit im Vorüberfluten ein Augenblick der Ruhe sei. Die außergewöhnlich gelungene Schau sollte man nicht versäumen. er
Die Ausstellung ist bis Freitag, 4. November, dienstags bis samstags von 15 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Danach wird die Ausstellung bis zum 2. Dezember nur noch nach Vereinbarung gezeigt. Termine können vereinbart werden unter Telefon 06501/12297 oder per E-Mail: contemporanea@t-online.de