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Überzeugendes Finale der Ära Dénes

Überzeugendes Finale der Ära Dénes

Das 8. Symphoniekonzert war nicht nur das Letzte der Saison, sondern auch das Letzte mit dem scheidenden Generalmusikdirektor István Dénes. Unter seiner Leitung spielten die Trierer Philharmoniker Werke von Weber, Rózsa und de Falla.

Trier. Ohne einen wirklichen "Reißer" scheint das Große Haus des Theaters nicht zu füllen zu sein, und so blieben an diesem Abend leider geschätzte 20 Prozent der Plätze leer. Die Philharmoniker und István Dénes lieferten zunächst eine überzeugende, rhythmisch präzise Interpretation der Ouvertüre zur Oper "Euryanthe" von Carl Maria von Weber ab. Orchesterbalance, Tempi und Übergänge stimmten, und die Streicher beeindruckten vor allem im kurzen Fugato-Teil des Stücks. Der ungarische Komponist Miklós Rózsa (1907-1995) ist weniger für seine Konzertmusik als für seine Filmmusik bekannt. So schrieb er die Musik zu klassischen Monumentalfilmen wie "Quo Vadis" und "Ben Hur". Sein 1953 entstandenes Violinkonzert widmete Rózsa dem großen Jascha Heifetz, der auch die Uraufführung spielte. Der Solist dieses Abends war der in Prag geborene und in Ungarn ausgebildete deutsche Geiger Georg Liener. Dazu noch ein ungarischer Dirigent, so dass man eigentlich von einer Idealbesetzung sprechen könnte. Liener überzeugte mit einem kraftvollen Geigenton, vor allem in den mittleren und hohen Lagen. Etwas mehr Differenziertheit bei Phrasierungen und Klangfarben täte seinem Spiel allerdings gut. Jedenfalls gelang den Ausführenden der erste Satz genau so leidenschaftlich, wie es das "passionato" vorschreibt. Erneut zeigte sich István Dénes als hervorragender Begleiter, der zudem das Orchester mit glasklaren Vorgaben zusammenhielt. Der langsame zweite Satz bestach vor allem durch wunderschöne Soli von Flöte, Oboe und Englischhorn. Überhaupt spielten die Philharmoniker, inspiriert von Dénes, äußerst engagiert. Das abschließende Allegro vivace mit seiner mitreißenden Coda ließ die Zuhörer stürmisch applaudieren, und Georg Liener bedankte sich mit dem Adagio aus Bachs D-Moll-Sonate. Ähnlich wie das Klavierkonzert des Filmkomponisten Nino Rota drei Wochen zuvor kann Rózsas Violinkonzert, obwohl es auf deutlich höherem Niveau steht, als reine Konzertmusik nicht so recht überzeugen. Man vermisst eine wirkliche musikalische Entwicklung. Es gibt zwar viele der nicht immer zu Recht geschmähten "schönen Stellen", aber damit bleibt die Musik eben weitgehend episodenhaft. Wie man gekonnt episodenhaft komponiert, ohne dabei auf den Zusammenhang zu verzichten, zeigt die Ballettmusik "El sombrero de tres picos" des Spaniers Manuel de Falla (1876-1946). Besonderes Schmankerl: Eva Maria Günschmann

Als besonderes Schmankerl ließ István Dénes in der Introduktion Eva Maria Günschmann mit ihrem betörenden Mezzosopran auftreten, die später noch einmal von hinter der Bühne zu hören war. Alle Instrumentengruppen zeigten gute bis sehr gute Leistungen, und Dénes überzeugte wieder einmal mit seinen Übergängen. Nur: Was fehlte, war das wirklich Spanische, diese schwer zu fassende Mischung aus rhythmischer Strenge und ekstatischem Sich-gehen-lassen. Trotzdem war der Abend ein überzeugendes Finale der Ära Dénes. Was Trier mit ihm verliert, wird vielleicht erst nach einem gewissen Abstand klar.