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Konzert: Unbequem, politisch, klangstark

Konzert : Unbequem, politisch, klangstark

Die Aachener Post-Hardcore-Band Fjørt bietet faszinierende Musik in den Rotondes in Luxemburg-Stadt.

Direkt am Rand, in der Mitte der Bühne, steht David Frings. „Nichts ist einfach, nichts geht sofort“, brüllt der Bassist, gleichsam mit dem Publikum. Auge in Auge stehen beide da. Der Fan, mit geballter, nach oben gereckter Faust, und der Musiker, nach unten gebeugt, vibrierende, wummernde Töne erzeugend und ohne Mikrofon. Das übernimmt an der Stelle Gitarrist und Sänger Chris Hell. Als Dritter im Bunde sorgt Schlagzeuger Frank Schophaus für den richtigen Beat. Gemeinsam erschaffen die drei Musiker enorme Klangwände. Aggression, Wut, Leid, Schmerz – alles ist da reingepackt und wird auf der Bühne fast schon ekstatisch umgesetzt.
Die rund 150 Zuschauer in den Rotondes sind hautnah dabei. Nur die höher angelegte Bühne trennt von den Musikern, die über selbige wirbeln, mit Ecken und Kanten ihre Texte rausschreien und dabei Anklang beim lautstark einstimmenden Publikum finden. Dass es dabei eher rau, teils schrill und voller Verzweiflung klingt, kommt nicht von ungefähr, sondern ist das, was die Aachener ausmacht. Seit 2012 machen sie gemeinsam Musik und werden von den Kritikern und Fans gefeiert.

Dabei kommt vor allem die Botschaft nicht zu kurz. In vielen Texten äußert sich Fjørt gesellschaftskritisch, politisch und auch persönlich. Dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund und kotzen sich so richtig aus.

„Bleibt stehen – trotzt der braunen Pest – um Kopf und Kragen – Wer, wenn denn nicht wir?“, heißt es beispielsweise in „Paroli“, einem starken Song gegen Nazis, was David Frings in der Ansage auch noch mal deutlich macht: „Wir haben ein riesengroßes Faschismus- und Rassismus-Problem, dem wir uns zusammen entgegenstellen müssen. Klappe halten und weghören hat noch nie geholfen.“ Mit ihrem rotzigen, treibenden Post-Hardcore haben sich Fjørt jedenfalls eine lautstarke Möglichkeit geschaffen, gehört zu werden. Das ist anstrengend und kann auch mal unbequem sein – aber notwendig ist es auf jeden Fall.