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Und ewig schnurrt der Tiger

Und ewig schnurrt der Tiger

In jedem Monat präsentiert TV-Reporter Andreas Feichtner seine persönlichen Konzert-Empfehlungen der nächsten Wochen. Im Oktober spielt etwa Tom Jones in der Region.

Trier. (AF) Ich werde mich jetzt vorerst nicht zu Hause blicken lassen können, aber die Wahrheit tut eben manchmal weh: Die Plattensammlung meiner Eltern war - vorsichtig formuliert - eine mittlere Katastrophe. Nicht, dass der Junge mit den Glasbausteinen im Gesicht nun unbedingt die hipsten Neuheiten erwartet hätte.

Die Beatles, Pink Floyd oder Jimi Hendrix hätte man ja gewürdigt. Gab's nicht. Waren wohl gerade ausverkauft. Elvis gab's, okay. Mit "Simon & Garfunkel" konnte man - obwohl ich das mittlerweile ja heimlich höre - in der Schule nicht wirklich punkten. Auch nicht mit Peter Alexander oder Udo Jürgens (eine Legende, schon klar, übrigens am 31. Oktober in der Arena Trier).

Aber dieser singende Brusthaar-Flokati, der so inbrünstig die Delilahs dieser Welt beschmetterte, der war damals schon am Start. Dieser Tom Jones, früherer Staubsauger-Vertreter? (Okay, das habe ich erst gerade im PR-Text des Veranstalters gelesen!) Danke, lass gut sein! Da kann ich ja gleich Neil Diamond oder Roger Whittaker auf den Plattenteller knallen. Oder Schmidtchen Schleicher, den mit den elastischen Beinen.

Ich weiß: Ich lag ziemlich daneben. Zumindest bei Neil Diamond und Tom Jones. Von Diamond ist nicht nur der Titelsong für einen der wichtigsten Filme der 90er, Pulp Fiction. Und Tom Jones, inzwischen von Königin Elisabeth II. geadelter Waliser, hat sich längst auch Respekt verschafft: Noch heute posiert er gern mit Schlafzimmer-Blick und zu weit geöffnetem Hemd. Das macht nicht unbedingt jeder Gleichaltrige so, der - wie Jones - schon seine "Goldene Hochzeit" hinter sich hat. Aber das Augenzwinkern gehört auch dazu. Bloß nicht alles zu ernst nehmen.

Stimmlich ist der "Tiger" mal ganz Schmusekätzchen, mal röhrig und mit Biss. Schon beim bloßen Lesen seiner Titel mag man seine Stimme im Ohr haben: "It's not unusual", "Green green grass of home" oder - für die jüngeren - "Sexbomb" oder "Burning Down the House". Das könnte es alles live zu hören geben. Tom Jones gastiert am 5. Oktober in Frankfurt (Alte Oper) und am 29. Oktober in Luxemburg (Rockhal Esch).

Zugabe: Einige kleine, feine Bands und Songwriter, die sich auf deutsche Texte festgelegt haben, gastieren in der Region. Darunter etwa Clickclickdecker (30. Oktober, Trier, Variete Chat Noir), Mikroboy (24. Oktober, Exhaus Trier) oder Thomas van Norden (3. Oktober, Karussell, Zuckerbergstr., Trier). Weitere ausgewählte Konzerte im Oktober: Maximilian Hecker (8.10., Dudelange), Marillion (15.10., Akustikset im Luxemburger "Atelier"), Hole Full of Love (16.10., AC/DC-Tribute, Ducsaal Freudenburg), Maximo Park (19.10. Atelier), Sascha Bendicks (16.10., Hardrock-Variationen mit Akkordeon, Chat Noir, Trier), Bootleg Beatles (22.10., renommierte Beatles-Tribute-Band, Rockhal Esch), Massive Attack (28.10., Rockhal) hpl/dr