Und in den Pausen atmet die Seele Wenn die Seele Luft holt

Und in den Pausen atmet die Seele Wenn die Seele Luft holt

Es sollte seine letzte Schallplatte werden. Und wurde es auch. Bevor der Schauspieler, Musiker und Schriftsteller Manfred Krug das Werk vollenden konnte, starb er am 21. Oktober 2016. Was noch fehlte, waren die Lieder, eingesungen von ihm selbst. Andere Künstler sprangen ein, doch die Lücke bleibt.

Es sollte die letzte Schallplattenaufnahme des 79-jährigen Künstlers werden. Die Musik war bereits eingespielt. Fehlten nur noch die Liedtexte, die er unter seinem Pseudonym C(lemens) Kerber geschrieben hatte. Und dann starb Manfred Krug am 21. Oktober 2016 in Berlin. Zurück blieben wortlose Melodien.Ein musikalischer Schatz, zu schade fürs Archiv. Also griff Produzent Dirk Mahlstedt zum Telefon und hörte bei Freunden, Kollegen und Weggefährten des verstorbenen Sängers und Schauspielers nach, ob sie für ihn in die Bresche springen wollten, und alle sagten Ja: Jan Josef Liefers, Gunter Gabriel, Axel Prahl, Charles Brauer, Krugs "Tatort"-Mitkommissar beim NDR, Die Prinzen, Uschi Brüning, Krugs langjährige Duo-Partnerin, und viele mehr. Herausgekommen ist eine Hommage an einen Künstler, der im Westen mehr als Schauspieler denn als Sänger geschätzt wurde - trotz einer einzigartigen, fantastischen, einschmeichelnden Stimme.Und genau diese Stimme, bei allem Respekt für die Leistungen der "Ersatz"-Sänger, genau diese Stimme fehlt auf diesem musikalischen Vermächtnis. Denn wie kein anderer hat Krug den eigenen Texten, die zwischen Melancholie, Poesie und hin und wieder einer Prise Kitsch mäandern, den exakt richtigen Tonfall verliehen: ironisch gebrochen, wo die Worte allzu gefühlvoll sind; bierernst dort, wo den Sätzen der Schalk im Nacken sitzt. Und in den Pausen atmet die Seele tief durch. Die Musik stammt überwiegend von Günter Fischer, Jahrgang 1944, einem der erfolgreichsten DDR-Komponisten. Es sind keine Melodien, die sich sofort ins Ohr einnisten, melodisch kompliziert, harmonisch vertrackt, aber jeder Klangbogen passt zu den Sätzen, jede Note trifft die Wörter auf den Kopf. Im Komponisten Fischer hatte der Texter Krug sein perfektes Alter Ego gefunden. Umso schmerzlicher die Erkenntnis für den Sänger und Schauspieler, dass sein langjähriger Kollege, Freund und Mitarbeiter Mitarbeiter auch der Stasi war, die Fischer, der mittlerweile in Irland lebt, jahrelang detailreich über Krugs Aktivitäten auf dem Laufenden hielt. Anfang der 1990er Jahre, als Krug längst im Westen erfolgreich war, hat er es herausgefunden, und ihm über den Spiegel seine Ansicht über den Verrat mitgeteilt. In einem ebenso zynischen wie melancholischen und ironischen Brief, geschrieben "aus enttäuschter Liebe", nennt Krug seinen Weggefährten einen "armseligen Burschen" und ein "kleines Mozartarschloch". Aber nicht erst seit Mozart weiß man ja, dass Musiker nicht immer nette Menschen sind ...Rainer NoldenManfred Krug: Seine Lieder. Mit Charles Brauer, Uschi Brüning, Gunter Gabriel u. v. a., Arrangements: Lutz Krajenski, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Manfred Krug Band, Leitung: Lorenz Dangel. Künstlerhafen 0012-2KHA, über Edel Kultur.Reingehört - Manfred Krug - Seine Lieder

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