Unfertige Kostbarkeiten

Alle Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Veranstaltung waren da: das anpassungswillige "Orchestre philharmonique", mit "Arsys Bourgogne" ein exzellentes Vokal-Ensemble und mit Cornelia Samuelis, Sopran, Markus Schäfer, Tenor, und Raimund Nolte, Bass, ein respektables, stilsicheres Solistentrio.

Trotzdem blieb die Aufführung von Haydns "Jahreszeiten" in der Luxemburger Philharmonie unbefriedigend. Immer wieder schlichen sich Halbheiten ein - unpräzise Einsätze, nachhängende Mittelstimmen, ungenaue Artikulationen! Vor allem die konturen- und ziellos musizierte Einleitung zum "Frühling" und das Vorspiel zum "Winter" wurden von Pierre Cao und dem Orchester glatt verschenkt. Dabei war das Konzept des luxemburgischen Dirigenten originell und schlüssig. Cao vermittelte Elemente historischer Interpretationspraxis und erlöste damit dieses Oratorium von plakativer Naivität. Der Klang von Chor und Orchester war exzellent austariert. In den Arien und Chorsätzen von "Herbst" und "Winter", in denen neckische Betulichkeit fatal nahe liegt, fand der Dirigent überdies zu einem knapp-energischen, fast lakonischen Musizierstil, der sich von biedermeierlicher Genrebild-Malerei entschieden distanziert. Trotzdem fehlte es zum bruchlosen Gelingen oft an dirigentischer Präsenz, vielleicht auch an ausreichender Probenzeit. Vergebene Chance. hpl/bre

Martin Möller

kurzkritik: HaydnS "Jahreszeiten"

Unfertige Kostbarkeiten

Alle Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Veranstaltung waren da: das anpassungswillige "Orchestre philharmonique", mit "Arsys Bourgogne" ein exzellentes Vokal-Ensemble und mit Cornelia Samuelis, Sopran, Markus Schäfer, Tenor, und Raimund Nolte, Bass, ein respektables, stilsicheres Solistentrio. Trotzdem blieb die Aufführung von Haydns "Jahreszeiten" in der Luxemburger Philharmonie unbefriedigend. Immer wieder schlichen sich Halbheiten ein - unpräzise Einsätze, nachhängende Mittelstimmen, ungenaue Artikulationen! Vor allem die konturen- und ziellos musizierte Einleitung zum "Frühling" und das Vorspiel zum "Winter" wurden von Pierre Cao und dem Orchester glatt verschenkt. Dabei war das Konzept des luxemburgischen Dirigenten originell und schlüssig. Cao vermittelte Elemente historischer Interpretationspraxis und erlöste damit dieses Oratorium von plakativer Naivität. Der Klang von Chor und Orchester war exzellent austariert. In den Arien und Chorsätzen von "Herbst" und "Winter", in denen neckische Betulichkeit fatal nahe liegt, fand der Dirigent überdies zu einem knapp-energischen, fast lakonischen Musizierstil, der sich von biedermeierlicher Genrebild-Malerei entschieden distanziert. Trotzdem fehlte es zum bruchlosen Gelingen oft an dirigentischer Präsenz, vielleicht auch an ausreichender Probenzeit. Vergebene Chance. hpl/bre Martin Möller

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