1. Region
  2. Kultur

Unkorrekt, aber erfrischend

Unkorrekt, aber erfrischend

Der Düsseldorfer Dieter Nuhr hat in der Arena Trier einem mehr als zweieinhalbstündigen Programm zu einem amüsanten und gleichzeitig gesellschaftskritischen Rundumschlag ausgeholt. Zum Vergnügen von 3500 Zuschauern greift er aktuelle Themen auf und kombiniert diese teilweise auf absurdeste Weise.

Trier. Politisch oft unkorrekt und vielleicht gerade deshalb herrlich erfrischend: Der Kabarettist Dieter Nuhr hat in der Arena Trier mit seinem Programm Nur Nuhr vor 3500 Besuchern zu einem Rundumschlag gegen alles Ex-treme ausgeholt. "Toleranz ist out, Pöbeln ist Zeitgeist" lautet sein Resümee, wenn er beobachtet, dass Menschen sozial vernichtet werden - dafür reiche eine Entertaste am Computer.
Die aktuellen Ereignisse wie in Köln haben die erste halbe Stunde des Abends geprägt, bei dem alle Beteiligten ihr Fett abkriegen. Zum einen schießt Nuhr in Richtung Flüchtlinge ("Wer Frauen in Miniröcken für Huren hält, sollte sich überlegen, ob er ins richtige Land gekommen ist"), aber auch gegen deutsche Extremisten: "Es gibt bekloppte Ausländer, aber auch bekloppte Deutsche wie die Pegidaleute, die man nicht abschieben kann."
Mit seinen im Plauderton dahingesagten Pointen bringt Nuhr die Besucher nahezu zweieinhalb Stunden immer wieder zum Lachen. Doch ist sein Programm mehr als bloße Comedy. Es ist reale Kritik an derzeitigen gesellschaftlichen Themen, die er mit seinen Gedankengängen und absurden Verbindungen äußert.
Beispielsweise wenn er den Facharbeitermangel bei Henkern in Saudi-Arabien mit der Gendergerechtigkeit kombiniert. "In Deutschland müsste eine Stellenanzeige korrekt heißen Henker/Henkerinnen gesucht." Mülltrennung, die für Ausländer schwer zu begreifen ist, Raucherzonen auf Bahnhöfen, die Hysterie beim richtigen Umgang mit Kindern ("Wenn ich heute sage, ich liebe Kinder, gibt es einen Shitstorm"), die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze, die beim Kauf eines Weihnachtsbaums oder eines Kaffees anfallen können ("Wenn uns etwas vom Tier unterscheidet, ist es die Steuergesetzgebung") - die Liste der gesellschaftlichen Themen, die Nuhr in einem Mix von Beobachtung, Erzählung und Übertreibung ad absurdum führt, scheint unerschöpflich.
Dabei ist der Kabarettist in seiner Wortwahl nicht zimperlich, übernimmt gar deftige Begriffe des Rappers Bushido, der ihn in einem Lied aufgenommen und damit "unsterblich" gemacht hat. Doch wirken diese Ausdrücke bei Nuhr nie obszön; vielmehr trifft der Düsseldorfer damit den Nerv seiner Zuschauer.
Nuhr wirft den Menschen genauso wie den Medien Hysterie in Sicherheitsfragen vor, wenn er die Anzahl der Toten durch Rauchen und Alkohol den Toten durch Gewalt gegenüberstellt. Ein Promille der Menschen stirbt durch Gewalt, "das sind so wenig wie noch nie", lautet seine Rechnung. Die Verantwortung für dieses paranoide Verhalten gibt er dem "Informationsgeballer", das über die Menschen hereinbricht.
Nuhr sagt, das Leben sei früher nicht ungefährlicher gewesen. "Wir hatten nur weniger Schiss."