Unsterblicher Bach, großartiger Chor

Unsterblicher Bach, großartiger Chor

Der Friedrich-Spee-Chor Trier hat sein Karfreitagskonzert unter das Thema der sieben letzten Worte Jesu am Kreuz gestellt. A-capella-Gesang von Bach bis Nystedt beeindruckte rund 250 Zuschauer in der voll besetzten Jesuitenkirche.

Trier. Es ist kalt in der Trierer Jesuitenkirche am Karfreitag um 21 Uhr, als der Friedrich-Spee-Chor sein Konzert beginnt. Über 250 Zuschauer sind gekommen, volles Haus bei freiem Eintritt, Handschuhe und Schals sind die Accessoires der Wahl. Die Sänger und Sängerinnen des Chors frieren nicht, ihr Gesang wärmt von innen. Das Publikum ist nach kurzer Zeit so beseelt, dass es die Kälte nicht mehr bemerkt.
Bemerkenswert ist allerdings das Programm, das der junge Chorleiter Sebastian Glas mit seinem rund 35-köpfigen Chor zusammengestellt hat. Ebenso bemerkenswert ist die sängerische Leistung, diese anspruchsvolle Chorliteratur in höchster Qualität zu zelebrieren. Das Konzert beginnt mit sphärischen Klängen des 1978 geborenen Ola Gjeilo, sein Kyrie Eleison, Herr erbarme dich, zieht die Besucher wie das Fingerschnippen eines Hypnotiseurs unmittelbar in seinen Bann.
Musik aus Norwegen


Die sieben letzten Worte, die Jesus, ans Kreuz genagelt, sprach, wurden vom norwegischen Komponisten Knut Nystedt (*1915) besonders eindrucksvoll vertont. Jede Phrase, von "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" bis "Vater, ich gebe meinen Geist in deine Hände", wird einzeln dargeboten. Dazwischen tritt der Theologe Dr. Engelbert Felten aus dem Chor heraus und trägt seine dazu verfassten, eigenen Gedanken vor.
Er ordnet die Geschichte von Leid, Schmerz und Hoffnung aus heutiger Sicht ein. Felten findet philosophische Gedanken, erzeugt eine kontem plative Stimmung.
Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Choräle aus der Johannes-Passion beeindrucken mit ihrer zeitlosen Größe und Schönheit.
Eine Verquickung erfahren die beiden Musiker Bach und Nystedt bei "Immortal Bach" (Unsterblicher Bach). Der Chor re-gruppiert sich im Altarraum und mittels einer Clustertechnik (besondere Akkorde, die neben- oder übereinander liegen) erzeugt diese Interpretation der Musik Bachs Klänge von nahezu überirdischer Qualität.
Der Gesang erfüllt die Jesuitenkirche bis in den letzten Winkel, um dann ganz lang und zart auszuklingen - sicher der Höhepunkt des Konzertes.
Eric Whitacres (geboren 1970) Nox aurumque bildet den würdigen Abschluss. Die akzentuierten, brillanten Stimmen der Sänger des Spee-Chores erzeugen virtuos eine dramatische Spannung, auf atemlose und ergriffene Stille folgt langanhaltender Applaus. DT