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Unterhaltsame Trauerarbeit

Unterhaltsame Trauerarbeit

Es ist nicht immer Trauer, die Frauen spüren, wenn ihnen der Gatte wegstirbt. Die Darsteller des wohl ältesten Ensembles in Trier, Bühne 60+, haben in "Witwendramen" im ausverkauften Studio des Theaters Trier mit den Verblichenen abgerechnet. Herausgekommen sind 21 kurze und kurzweilige Episoden um Witwen und das, was davor war.

Trier. "Das war mein Mann!" Roswitha Bernard regt sich fürchterlich auf. Eine halbe Stunde lang sitzt sie schon beim Notar, bis sie merkt, dass vier andere Frauen zum gleichen Termin geladen sind: der Testamentseröffnung ihres Gatten. Fassungslos muss sie sich die Geschichten von dessen Geliebten anhören. Irmchen Heimer hingegen hadert mit ihrem verstorbenen Gemahl. Sie steht an seinem Grab, sagt ihm posthum die Meinung und gießt sich mit der Freundin (Hildegard Nicodemus) einen hinter die Binde. "Darauf habe ich mein halbes Leben gewartet", sagt sie böse. Doch ihn loszulassen, fällt ihr genauso schwer wie den zwei Frauen (Rosi Hampel, Hildegard Worst), die sich Monate nicht an den Schrank des Verschiedenen wagen.
Szenen aus allen Lebenslagen


Hinterbliebene Frauen in allen Lebenslagen stehen im Mittelpunkt der "Witwendramen" des Nürnberger Autors Fitzgerald Kusz. Lustige, aber auch solche, die schrecklich trauern, und die, die hinter jedem Mann her sind. Auch berühmte Witwen wie Helene Weigel (Bertolt Brecht), gespielt von Monika Born, und Alma Mahler-Werfel (Carla Schött) kommen zu Wort. 14 Szenen aus dem Stück hat die Schauspielgruppe Bühne 60+ - Männer und Frauen zwischen 58 und 70 Jahren - ausgesucht und auf die Bühne ins ausverkaufte Studio gebracht. Die Rollen der fünf Protagonistinnen hat Regisseurin Sylvia Martin auf die 13 Darsteller verteilt.
Die kurzen Stücke, manche dauern nur knapp eine Minute, bringen Tempo in die Inszenierung. Mehrere Gesangsstücke - stark: Helga Nathows "Für mich soll\'s rote Rosen regnen" - lockern zusätzlich auf. Ebenso die Szenen von Ehezweikämpfen aus Kusz\' "Stücke aus dem halben Leben" - herrlich, wie beleidigt und gehässig Barbara Gies, Peter Martin, Madelen Feiten, Sylvia Mertz und Frank Weiland sein können. Alles in allem ein Abend, der den Spaß der Darsteller aufs Publikum überträgt.
Weitere Vorstellung: 3. Juni, 20 Uhr, ausverkauft.