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Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Geschichtsträchtige Gitarren

Friedrich Gretsch dürfte 1883 keine Ahnung davon gehabt haben, dass zu seinen Kunden irgendwann einmal George Harrison, Bono oder die Rolling Stones gehören würden.

Was in erster Linie wohl daran gelegen hat, dass die Letzgenannten damals und auch lange Zeit danach noch nicht geboren waren, Herr Gretsch dagegen bereits 1895, nicht mal 40 Jahre alt, das Zeitliche segnete. In Brooklyn hatte der gebürtige Mannheimer einen kleinen Musikalienhandel gegründet, der die Keimzelle für die Gretsch Company wurde, die, wie sich sein Sohn und Nachfolger Fred Gretsch jr. in den 1920er Jahren rühmen konnte, „der größte Hersteller von Musikinstrumenten in den USA zu sein“. Inzwischen wird der Laden vom Urenkel des Gründers, ebenfalls Fred genannt, gemanagt, und der führt den Erfolg des Familienunternehmens unter anderem „auf die harte Arbeit und den guten Geschäftssinn seiner Vorfahren zurück“. Nun kommen Hunderte der legendären Gretsch-Gitarren, Schlagzeuge und Musikandenken des Familienbetriebs unter den Hammer. „Da sind Originale drunter, die nie zuvor jemand gesehen hat, die noch nie bei einem Konzert gespielt wurden“, erzählt der Firmenchef. Unter den Highlights: eine Gitarre, die einst Tom Petty und George Harrison gehörte und als Prototyp für die „The Traveling Wilburys“-Gretsch-Modelle diente. Sie könnte bei der Versteigerung, die heute und morgen gleichzeitig live und online in Beverly Hills stattfindet, bis zu 40 000 Dollar (knapp 34 000 Euro) bringen, wie der Vorsitzende von Julien‘s Auctions, Martin Nolan, sagt. Begehrt sei auch ein Vorläufer der berühmten grünen „Irish Falcon“ des irischen Musikers Bono von U2. „Das ist ein Prototyp-Modell, den Bono abgesegnet hat, bevor diese Serie in die Produktion ging“ und der Fans und Musikern bis zu 10 000 Dollar wert sein könnte. Der Erlös der Auktion der hauseigenen Sammlung soll einem guten zufließen: Mit dem Geld sollen Musikstudenten an der Georgia Southern University im US-Bundesstaat Georgia gefördert werden.

Was den einen eine geschichtsträchtige Gitarre, ist einem anderen ein ebensolches Foto. Der  Schauspieler Samuel Finzi kann zwar dem Sammeln von kostbaren alten Kunstwerken nach eigenen Worten „null“ abgewinnen. Daran haben auch die Dreharbeiten für den Fernsehfilm „Allmen und das Geheimnis der Erotik“ nichts geändert, in dem der 55-Jährige den cleveren Butler der Titelfigur, verkörpert von Heino Ferch, spielt (Samstag, 20.15 Uhr, ARD). Ganz auf schöne Dinge verzichten mag Finzi aber auch in seiner privaten Umgebung nicht. „Dann schon eher eine schöne Fotografie“, erklärte er.  Sein Herzenswunsch: „Ich würde gern eine Fotografie von Richard Avedon haben – ein Porträt des alten Groucho Marx von 1975. Es zeigt mit viel Anmut und Würde ein gelebtes Menschenleben. Die Augen haben etwas von Seen. Und ich bewundere Groucho Marx und seinen Humor – er war und ist sehr prägend für mich.“ Der Amerikaner (1890-1977), dessen Großeltern aus dem nordfriesischen Dornum in der Nähe von Norden stammen, gehörte zu den berühmtesten Komikern des 20. Jahrhunderts. no/dpa