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Unterm Strich – die Kulturwoche von Rainer Nolden Fernsehen

Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Neues aus Hengasch und anderswo

Es wird wieder blutig in der Eifel. Denn in Hengasch treiben wieder böse Buben ihr Unwesen – allerdings ohne Mädel. Denn Bjarne Mädel alias Dietmar Schäffer ist nicht mehr dabei, wenn es demnächst wieder „Mord mit Aussicht“ gibt.

Ebenso wenig Caroline Peters als aus Köln in die Provinz strafversetzte Kommissarin Sophie Haas oder Meike Droste („Bärbel Schmied“). Statt dieser drei Aufklärer setzt die ARD bei der Neuauflage der Serie auf Katharina Wackernagel, Sebastian Schwarz und Eva Bühnen. Noch bis Mitte August laufen die Dreharbeiten in Köln und Umgebung. Zunächst sind sechs Folgen geplant. Ob das neue Trio ebenfalls auf drei Staffeln kommt – sie wurden zwischen 2008 und 2014 ausgestrahlt –, wird sich im Frühjahr 2022 zeigen, wenn die ersten Filme zu sehen sind.

Es wird zu wenig gekocht im deutschen Fernsehen. Das sagte sich wohl auch Jan Böhmermann, der beim ZDF eine sechsteilige Kochshow bekommt. „Böhmi brutzelt“ allerdings nicht im Hauptprogramm, sondern ab 24. Juli um 19.45 Uhr im Spartensender ZDFneo. Vermutlich wäre dies den Verantwortlichen im „echten“ ZDF etwas zu viel des Böhmermann, weil der bereits freitagsabends nach der „heute-show“ sein „ZDF Magazin Royale“ präsentiert. Die Kochshow wird nach ZDF-Angaben derzeit in Köln produziert. Kern der Sendung: Böhmermann lädt jeweils einen Promi aus Popkultur, Wissenschaft oder Journalismus ein, um gemeinsam zu kochen und zu plaudern. Es ist auch schon bekannt, wer in den sechs Folgen mit dem Satiriker das Süppchen kochen wird: Es sind Moderatorin Aminata Belli, Tänzerin Motsi Mabuse, Wissenschaftsjournalistin und ZDF-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim, Pianist Igor Levit, Entertainer Riccardo Simonetti sowie Rapper und Musik-Produzent Xatar.

Auch im Duisburger Hafen könnte es demnächst ganz schön heiß werden. Das hat allerdings weniger mit überhitzten Herdplatten zu tun. In Europas größtem Binnenhafen haben die Filmarbeiten für eine neue Vorabendserie der ARD begonnen. Unter dem Titel „WaPo Duisburg“ drehen die Regisseure Matthias Koßmehl und Christine Rogoll acht Folgen rund um die Arbeit der Wasserschutzpolizei und das Verbrechen auf dem Wasser – sozusagen Schimanski fürs nasse Element. „Es geht um Mord, Raub, Entführung und Erpressung“, heißt es im Pressetext – also alles, was Fernsehen spannend macht. Auch auf die Ausstrahlung dieser Filme müssen die Zuschauer noch bis 2022 warten. Bei der echten Polizei sorgt das Projekt allerdings bereits für Stirnrunzeln: „Nach einem Blick ins Drehbuch von ,WaPo Duisburg‘ war mir klar, dass das nicht viel mit dem Alltag unserer Wasserschutzpolizei zu tun hat“, erklärte die Duisburger Polizeipräsidentin Elke Bartels. Sie könne sich die Sendung aber dennoch durchaus unterhaltsam vorstellen. Schließlich gibt das Drehbuch unerwartete Einblicke – zum Beispiel, dass Wasserschutzpolizisten intern gern als „Entenpolizei“ tituliert werden.

Ein bisschen weiter südlich am selben Fluss geht es weniger dramatisch, dafür historisch zur Sache. Das Kölner Käthe Kollwitz Museum zeigt Fotografien von Friedrich Seidenstücker (1882-1966), der zu den bedeutenden Chronisten des Alltagslebens im Berlin der Weimarer Republik gehörte. Seine Fotografien entstanden auf seinen Streifzügen durch die Stadt und erzählen von scheinbar beiläufigen Ereignissen und Begebenheiten: vom Sonntagsvergnügen und vom Arbeitsalltag, von Kinderspielen auf der Straße und vom Treiben auf Bahnhöfen und im Zoo. Gleichzeitig machen seine Bilder das raue Leben in der Großstadt sichtbar und dokumentieren quasi nebenbei die Gegensätze der sozialen Realität in den Zwischenkriegsjahren. Bis auf wenige Ausnahmen findet der „Momentknipser“, wie er sich selbst bezeichnete, seine Motive draußen auf der Straße. Mit handlicher Kamera und lichtempfindlichem Objektiv dokumentiert er instinktsicher noch viele weitere Szenen und Gestalten – darunter Kleingewerbler wie Kofferträger, Kutscher und fliegende Händler, Kindermädchen, Müllarbeiter oder Zeitungsverkäuferinnen – bei ihrem täglichen Tun und Handeln, aber auch beim Warten oder Ausruhen. Seidenstückers Fotografien aus den 1920er bis 1940er Jahren sind Bilder des Alltags, frühe „street photography“, die mit feinem Gespür die Menschen im sozialen Gefüge der modernen Großstadt dokumentiert. Sie vermitteln eine Vorstellung von den Härten und der Mühsal, aber auch von den Sehnsüchten, den kleinen Ablenkungen und den Vergnügungen des Lebens in der Stadt. Die Ausstellung ist bis zum 15. August zu sehen. no/dpa