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UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE

UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE : Katastrophen, wohin das ratlose Auge blickt

Beim kurz bevorstehenden Weltuntergang in Berlin, bedingt durch ein politisches Chaos von prä-urknallmäßigen Dimensionen, ist ein Streitobjekt unverdientermaßen weit in den Hintergrund gerückt: das Einheits- und Freiheitsdenkmal.

Als ob die in der Groko einträchtig verfeindeten Partner nicht schon genug Knatsch an der Backe hätten, zoffen sie sich jetzt auch noch über eine gigantische Wippe, die zur Attraktion eines jeden Jahrmarktrummels werden könnte. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der mutigen Menschen, die für Freiheit und Einheit ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben“, wetterten die Unionsabgeordneten Gitta Connemann und Elisabeth Motschmann. Die SPD dagegen mosert, es gebe noch Unklarheiten betreffs des Grundstücks, auf dem das Monster stehen soll, was Frau Grütters, ihres Zeichens Kulturstaatsministerin, vehement bestreitet. Alles paletti, heißt es, Grundstück ist da, Geld auch. Ihre Partei befürchtet nun, dass das Objekt ganz auf der Kippe stehen könnte (kein Wortwitz!) und nicht zum „30. Jahrestag der friedlichen Revolution im Herbst 2019“ eingeweiht werden kann. Wie auch immer es ausgeht: Wenn die ersten Kinder auf dem Monstrum herumturnen, werden sie wahrscheinlich gar nicht mehr wissen, warum es eigentlich gebaut wurde – so wie der Namenspatron von BER, Willy Brandt, bei dessen irgendwanniger Eröffnung wahrscheinlich ebenso weit weg in der Geschichte sein wird wie ein anderer wirkmächtiger Politiker: Karl der Große.

Chaos und Katastrophen also, wohin das ratlose Auge blickt. Zum Beispiel auch in Hamburg. In dessen Kunsthalle gehen die Ausstellungsmacher dem Thema der künstlerischen Aufbereitung von Naturkatastrophen nach. Katastrophen sind allgegenwärtig. Pausenlos berichten die Medien über Naturereignisse, Kriegshandlungen, politische Umbrüche oder anderweitige Krisenszenarien – Vulkanausbrüche, Feuersbrünste, Überschwemmungen, Erdbeben oder Schiffbrüche – und greifen für deren Charakterisierung auf den Begriff der Katastrophe zurück: Katastrophen geschehen nicht einfach, sie werden gemacht. Jedes Zeitalter schafft sich seine Katastrophen und definiert diejenigen Kriterien neu, nach denen bestimmte Ereignisse erst als solche etikettiert werden können (z. B. Erdogan, Trump, Dieter Bohlen). Diese grundlegenden Bestimmungen bilden die Basis des Ausstellungsprojekts. Die „Entfesselte Natur. Das Bild der Katastrophe seit 1600“ ist bis zum 14. Oktober zu sehen.

Da wir gerade so nett über Katastrophen plaudern: Reden wir über Fußball. Der eigentliche Schuldige für das vorzeitige WM-Aus der Deutschen ist nämlich gefunden. Denn der Fisch stinkt bekanntermaßen immer vom Kopf. Nein, nicht von Jogi Löws Haupt, sondern vom Oberkopf. Der wirkliche Übeltäter kommt aus Bayern, irrlichtert durch Berlin, ist neben Innen- und Heimatminister auch (Achtung!) Sportminister – und hat in dieser Funktion schon mal vollkommen versagt. Horst Seehofers  Genörgele gegenüber Angie (die wahrscheinlich heilfroh ist, dass sie nun nicht mehr nach Russland reisen muss, um mit Alphatier Putin händchenhaltend auf der Bank zu sitzen) hat natürlich auch unsere Mannschaft bis nach Russland hin irritiert. Wenn der oberste Chef der Kicker nicht zufrieden ist, weil er zu Hause keinen Stich kriegt, vergiftet das natürlich die Atmosphäre bis ganz nach unten auf den Rasen. Wen wundert’s da noch, dass die Jungs keinen vollen Einsatz zeigten und ziellos übers Spielfeld irrten, weil sie in Gedanken stets bei dem übellaunigen Boss waren und sich die Köpfe darüber zerbrachen, wie sie ihn wieder heiter machen könnten. Hätten sie besser an die 350 000 Euro gedacht, die sie im Falle eines Sieges kassiert hätten. Obwohl: Bei den Gehältern, die diese Kicker kriegen, sind das ja ohnehin nur „arakhis“. Das ist russisch und heißt „Peanuts“. no/dpa