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Unterm strich - Die Kulturwoche

Unterm strich - Die Kulturwoche

Die Bilder des Ex-Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi werden nach dessen Angaben inzwischen selbst gefälscht. "Es gibt ja schon Fälschungen von meinen Bildern, natürlich", sagte Beltracchi (64) in einem Interview mit dem echten Playboy.

Der englischen Weisheit zufolge, dass Nachahmungen die aufrichtigste Form der Schmeichelei seien, freut sich der Fälscher natürlich über die Fälschungen seiner Fälschungen. Er sei sich schon immer sicher gewesen, sagte der in der Nähe von Köln lebende Beltracchi, dessen Werke inzwischen ausgestellt und verkauft werden, "dass auch meine Kunst Anerkennung finden wird". Seit seiner Haftentlassung im Januar 2015 verdiene er seinen Lebensunterhalt legal mit eigenen Gemälden. In Sammlerkreisen ist es also offenbar in, etwas Echtes vom Fälscher im Wohnzimmer hängen zu haben - zumal ein paar Beltracchi-Fakes noch in einigen Museen bewundert werden können, deren Mitarbeiter bisher nicht spitzgekriegt haben, dass ihnen da irgendjemand ein X für ein U vorgemacht hat. Das ist eben das Schöne an der Bildenden Kunst: Ein paar Zweifel bleiben immer. Echt dürfte dagegen eine Marmorbüste sein, die den Diktator Adolf Hitler darstellt. Sie ist bei Grabungsarbeiten im Innenhof des Nationalmuseums von Danzig (Gdansk) gefunden worden. Nach Angaben des Museums wurde die Skulptur vermutlich 1942 von dem österreichischen Bildhauer Josef Thorak (1889 - 1952) angefertigt, der zu den von den Nationalsozialisten besonders geschätzten Künstlern gehörte, allerdings nur als Nummer zwei nach Arno Breker. Einen halben Meter hoch hat Thorak seinen Führer aus dem Stein gehauen. Museumsmitarbeiter vermuten, dass die Büste Anfang 1945 vergraben wurde, kurz bevor die deutschen Behörden in der Endphase des Zweiten Weltkriegs die Stadt verließen. Offenbar war keiner vom Wert - des Werks oder des "Führers" - überzeugt gewesen, denn sonst hätte doch bestimmt irgendein Nazi das Trumm mit ins südamerikanische Exil genommen, um sich an dem Anblick unter Palmen zu ergötzen. Jetzt wird der Adolf ins Museumsinventar aufgenommen. Er ist wieder da - nicht nur im Kino, sondern auch im Depot. 108 ist nicht gerade eine runde Zahl, und ein 108. Geburtstag erst recht kein Anlass für Gedenkfeiern. Den 108. von Astrid Lindgren (1907 - 2002) nimmt die Familie der weltberühmten Schriftstellerin allerdings zum Anlass, ihren Fans ein besonderes Geschenk zu machen: Die Wohnung in Stockholm, in der die Schwedin 60 Jahre lang lebte, soll künftig für Besucher zugänglich sein. Für den 14. November ist die Eröffnung geplant. Vorerst an den Wochenenden könnten sich dann Gruppen durch das Heim der "Pippi Langstrumpf"-Autorin im Vasaviertel führen lassen, sagte die Organisatorin, Jessica Bab Bonde - und das Bett bewundern, in dem laut Aussage von Lindgrens Tochter Karin Nymann die meisten Kapitel der Geschichten über das stärkste Mädchen der Welt entstanden sind. no/dpa