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unterm strich - die Kulturwoche

unterm strich - die Kulturwoche

"Alles verstehen heißt alles verzeihen" weiß ein vielzitierter Kalenderspruch. Ob der Cembalist Mahan Esfahani tatsächlich den ebenso infantilen wie unverschämten Aufstand verstanden hat, den das Publikum in der Kölner Philharmonie anlässlich seines Konzerts veranstaltet hat (der TV berichtete), mag dahingestellt sein.

Verziehen hat der iranische Musiker den anwesenden Pöblern jedenfalls. Während andere noch von "einer neuen Fremdenfeindlichkeit oder einer Verrohung der Sitten im Konzertsaal" sprechen - der Interpret wurde zum Abbruch seines Konzertes gezwungen -, will er bald nach Köln zurückkommen - zum einen, um beim Deutschlandfunk Aufnahmen zu machen, zum anderen, um das verschmähte Stück noch einmal zu spielen nach dem Motto: Jetzt erst recht! Wer nicht hören will, muss noch mal hören - oder die Plätze eben jenen überlassen, die sich nicht fürchten ("Wovor haben Sie Angst?", hatte Esfahani das Publikum gefragt), wenn es mal ein bisschen dissonant und nicht romantisch-harmonieträchtig zugeht. Grundsätzlich ruhiger geht es in Museen zu. Normalerweise schleicht man mehr oder weniger schweigend an den Wänden entlang, um sich an der Kunst zu ergötzen. Die Bonner Bundeskunsthalle will ihre Besucher jetzt ein bisschen auf Trab bringen - im wahrsten Sinne des Wortes. Anlass ist eine Ausstellung über Pina Bausch (1940 - 2009), weltberühmt aus Wuppertal. Es ist die erste große Ausstellung zum Werk der Choreographin, unter anderem mit einem Begleitbuch voller Interviews, die sie seit ihren Anfängen 1973 in Wuppertal bis 2008 gab - darunter auch ein Gespräch mit dem kürzlich verstorbenen Roger Willemsen, das er 1998 in seiner Talkshow führte. Was aber wirklich ungewöhnlich ist an der Schau: Der Zuschauer selbst kann das Tanzbein schwingen - unter Leitung von Josephine Ann Endicott, Tänzerin der ersten Stunde in Wuppertal. Das Tutu können Tanzwütige allerdings zu Hause lassen: Der sterbende Schwan war nie Pina Bauschs Ding. Ihr Tanztheater schöpft aus dem Alltäglichen. Endicott studiert mit den Eleven Szenen aus dem Tanztheater "Nelken" ein. Zum Schluss noch eine dringende Empfehlung: Öfter mal in die Spam-Mails schauen. Und die Nachrichten durchaus ernst nehmen. Sonst könnten einem Unsummen entgehen. Helen Garner, Schriftstellerin aus Australien, hätte nämlich fast 150 000 Dollar im Internet versenkt. So hoch war der Preis dotiert, der ihr zugedacht war. Erstens landete die Nachricht im besagten Spam-Ordner, und dann hielt sie die Botschatf für einen schlechten Witz. Glückicherweise rief sie ihren Verleger an und erzählte ihm von dem Joke. Und so kam alles doch noch zu einem guten Ende … no/dpa