Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Frankfurt ist dieser Tage einmal mehr eine Reise wert: Das Städel-Museum zeigt seit Mittwoch Landschaftsradierungen von Rembrandt. Dass der große Porträtist auch ein Meister der Druckgrafik war, wird für viele eine neue Entdeckung sein.

Etwa 50 Arbeiten sind bis zum 24. November zu sehen. Auch wenn es ein Tod mit Ansage war: Das lange Sterben des Autors Wolfgang Herrndorf hat viele Menschen berührt. Das Protokoll seiner Krebserkrankung hat er dreieinhalb Jahre lang in einem öffentlichen Internet-Blog unter dem Titel "Arbeit und Struktur" geführt. Dieser Blog, so wurde am Mittwoch, zwei Tage nach seinem Tod, bekannt, soll beim Rowohlt-Verlag als Buch erscheinen. Hinter Herrndorffs frühem Tod verblasste der Rest der Kulturwoche etwas. Zumal bei manchen kulturellen Ereignissen die Grenze zwischen Kunst und Spektakel nicht mehr so recht zu erkennen war. Etwa bei den Salzburger Festspielen, wo es mit Mozarts "Entführung aus dem Serail" die erste Live-Fernseh-Oper gab, bei der das Publikum vor Ort nur noch als Staffage fungierte. Gedreht wurde an diversen Schauplätzen rund um einen futuristischen Flugzeughangar des Red-Bull-Bosses Dietrich Mateschitz. Nur im Fernsehen bekam man die ganze Oper zu sehen, die Zuschauer an Ort und Stelle mussten sich mit Mozart-Schnipseln begnügen. Dafür gab es Arien im Flugzeugcockpit und reichlich Schleichwerbung. Salzburg-Intendant Alexander Pereira bezeichnete solche Fernsehproduktionen als "Zukunft des Genres". Zum Glück zieht er demnächst ein Stück weiter weg: an die Mailänder Scala. Wie man Show und Kunst so vermuddelt, dass nachher eine ziemlich üble, aber erstaunlich erfolgreiche Melange herauskommt, das weiß kaum jemand besser als der Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch. Seit Jahrzehnten drehen sich seine Performances um Blut, Kadaver, Gedärme und Kot - und von Zeit zu Zeit müssen auch ein paar Tiere daran glauben. Der Affenzirkus folgt immer dem gleichen Muster: Nitsch provoziert, irgendjemand protestiert, die Kritik verteidigt den Künstler, das Publikum kommt in Strömen. Ob der Kaiser Kleider anhat, fragt dabei niemand. Der Kaiser ist gestern 75 geworden. Viel Lärm um nichts gibt es aber auch andernorts: In Düsseldorf forderte die jüdische Gemeinde diese Woche zum Boykott der Pink-Floyd-Show "The Wall" auf, die Gründungsmitglied Roger Waters am 6. September zeigt. Waters sei ein "geistiger Brandstifter", weil in der Show ein aufblasbares Schwein durch die Luft fliege, auf dem ein Davidstern abgebildet sei. Pink-Floyd-Fans kennen das Gummitier seit etlichen Jahren, ohne dass es Proteste gab. Waters wies darauf hin, er verwende in seiner Inszenierung auch Symbole wie ein Kruzifix sowie Hammer und Sichel. Er widme die Show allen Terror-Opfern. Dieter Lintz Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne