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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Mächtig in die Tiefen von Zeit und Raum dringen Kuratoren und Archäologen gleich mehrfach ein. Tote Körper aus längst vergangenen Zeiten sollen Zuschauer ab Samstag ins Römer- und Pelizäus-Museum in Hildesheim locken.

Mumien von Menschen und Tieren aus sechs Kulturkreisen zeigt das Haus dort in einer großen Ausstellung - laut Veranstalter der größten ihrer Art in Deutschland. "Jede Mumie erzählt ihre Geschichte, manchmal sogar von dramatischen Ereignissen", sagte Museumssprecheirn Kristina Freise. Das älteste Objekt ist das Skelett eines Fischsaurier-Jungtieres, das vor rund 180 Millionen Jahren starb. Bis zu einer öffentlichen Schau haben die Archäologen in der Uckermark noch viel zu tun, die gerade den vermutlich ältesten Friedhof in Mitteleuropa entdeckt haben. Zu den einzigartigen Steinzeit-Funden gehört das Grab eines Säuglings, dessen Mutter zu wenig Milch hatte. "Ich hatte immer geträumt, einmal eine mittelsteinzeitliche Bestattung zu untersuchen", sagte Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Er hatte 2012 den Anstoß für erneute Grabungen auf dem etwa 100 Meter hohen Weinberg in Groß Fredenwalde gegeben. Schauerlich geht es auch im Centre Pompidou Metz zu. Unter dem Titel "Sublim. Das Schaudern der Welt" zeigt das Museum rund 300 Werke von etwa 100 Künstlern, die sich mit Vulkanausbrüchen, Stürmen über dem Meer und Katastrophen befassen. Darunter sind Gemälde, Fotografien, Filme und Installationen, die inspiriert sind von der Urgewalt der Natur und der Zerstörungskraft des Menschen. Neben Arbeiten von Giuseppe Penone und Christo und Jeanne-Claude sind auch die raumfüllenden Installationen "Wave" und "Under the Water" von Tadashi Kawamata zu sehen, die an den Tsunami 2011 in Japan erinnern. Spaß statt Entsetzen bestimmt dagegen die 66. Berlinale, die mit der Komödie "Hail, Caesar!" der US-Regisseure Joel und Ethan Coen das Publikum hinter die Kulissen der Traumfabrik Hollywood führte. Frauenschwarm George Clooney zeigt darin als trotteliger Sandalenfilm-Darsteller viel Bein. Scarlett Johansson gleitet als Wasserballett-Starlet durchs Bassin. Und Channing Tatum ist ein steppender Film-Matrose mit geheimer Mission. Schon am Mittag hatte sich die internationale Jury mit der strahlenden dreifachen Oscar-Preisträgerin Meryl Streep an der Spitze präsentiert. "Ich habe zwar absolut keine Ahnung, wie man eine Jury leitet", meinte die US-Schauspielerin über ihr erstes Mal als Vorsitzende einer Festivaljury. "Ich war aber schon Chefin anderer Unternehmen", ergänzte Streep und verwies auf ihre Familie mit vier Kindern. Und Clooney freute sich über seine "Idioten-Rolle", die ihm die Coen-Brüder erneut zugedacht haben: "Ich habe Spaß daran, dass sie sich über mich lustig machen." Doch der Star schlug vor Journalisten auch ernste Töne an. Clooney sagte, er werde am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen und mit ihr über das Schicksal von Flüchtlingen sprechen. Internationale Maßstäbe legen derweil auch die Musiker des Bayerischen Symphonieorchesters an, die sich einen Spitzenkonzertsaal wünschen. Der Saal ist zwar noch nicht gebaut - das Orchester hat sich trotzdem schon mal auf einem Dach im Münchner Werksviertel zum Gruppenfoto getroffen. An dem Standort soll der Musiksaal entstehen, für den Chefdirigent Mariss Jansons und sein Orchester seit Jahren leidenschaftlich kämpfen. aheu/dpa