unterm strich - die kulturwoche

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Die Vergangenheit ist für viele Kultureinrichtungen höchst präsent und aktuell. Gestern hat die Stadt Köln beschlossen, ein Gemälde von Oskar Kokoschka an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim 1878 - 1937) zurückzugeben.

Sie geht davon aus, dass Flechtheim von den Nazis gezwungen wurde, das Kunstwerk aufzugeben. Die Entscheidung ist umstritten. Die Stadt Köln hofft, dass das "Portrait Tilla Durieux" trotzdem im Museum Ludwig bleiben kann. Aus seiner Vergangenheit schöpft das Berliner Ensemble, Bertolt Brechts einstiges Theater am Schiffbauerdamm. Anlässlich seines Jubiläums am Dienstag stand die 200.Vorstellung der "Dreigroschenoper" in der Inszenierung von Bob Wilson auf dem Programm. Von den 200 Aufführungen waren 56 bei Gastspielen etwa in Paris, New York und Amsterdam. Das Musical ist ein Jugendwerk von Brecht mit Musik von Kurt Weill. Es hatte 1928 seine Premiere im Theater am Schiffbauerdamm. Viele deutsche Theaterbühnen nähern sich derweil den Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), die ab dem 6. Mai in München juristisch aufgearbeitet werden. In München bringt Christine Umpfenbach am Residenztheater in der kommenden Spielzeit das dokumentarische Stück "Urteile !!" auf die Bühne. Dafür recherchiert sie bei Opfern der Anschläge in Bayern. Für das Badische Staatstheater geht Regisseur Jan-Christoph Gockel der Frage nach, was Menschen in den Rechtsextremismus treibt. Für das Stück "Rechtsmaterial" recherchiert er auch bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. In Frankfurt fragt Autor Lothar Kittstein in "Der weiße Wolf" nach der verdrängten Sehnsucht nach Gewalt in unserer Gesellschaft und danach, "wie dünn die Decke der Zivilisation ist, die diese Sehnsucht im Zaum hält". Das Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg hat bereits im vergangenen Jahr Gefahr und Verharmlosung rechter Gewalt thematisiert. Aufgegriffen wurden Textauszüge aus dem NSU-Untersuchungsausschuss, die sich die Kolumnistin Mely Kiyak notierte - so der Satz "Fahrräder könnten eine Rolle spielen", der zugleich Titel des Stücks ist. In eine vermutlich großartige Zukunft blickt das Mariinski Theater in St. Petersburg. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit präsentierte Stardirigent Waleri Gergijew erstmals den 500 Millionen Euro teuren Neubau mit einer außergewöhnlichen Akustik. "Das Opern- und Balletthaus hat alles, um ein kultureller Gigant unter den Theatern dieser Welt zu werden", sagte Gergijew. Zur Eröffnung gestern Abend wurden Kremlchef Putin und die Opernstars Anna Netrebko und Plácido Domingo erwartet. Annemarie Heucher