unterm strich - die kulturwoche

unterm strich - die kulturwoche

Keine gute Woche für die Kultur - wenn man innerhalb weniger Tage Persönlichkeiten wie Nadine Gordimer, Lorin Maazel, Charlie Haden, Gert Voss und zuletzt den Brecht-Weggefährten Manfred Wekwerth verliert (siehe Kultur, Seite 25). Wekwerth war lange Jahre Intendant des Berliner Ensembles, das in dieser Woche noch eine ganz andere Nachricht verkraften musste: Aufgrund eines Fehleinsatzes der Sprinkleranlage ruinierten 80 000 Liter Wasser die Bühnenmaschinerie, einen teuren Flügel und diverse Dekorationen.

Das ist insofern skurril, als am 1. August die heftig umstrittene Premiere eines Hochhuth-Stückes stattfinden sollte, gegen die sich das Theater heftigst gewehrt hatte. Dem Dichter Rolf Hochhuth gehört das Gebäude, in dem das Berliner Ensemble residiert, und er hat das Recht, es in der Sommerpause zu nutzen. Daraus wird nun wohl nichts werden. Was aus dem Goethe-Institut wird - um diese Frage sorgen sich Politiker von CDU und SPD. Sie forderten am Dienstag einen Zuschlag von sieben Millionen Euro für die Kulturbotschafter, deren Budget in den letzten Jahren mehrfach gekürzt wurde. Insgesamt stehen dem Institut mit seinen 145 Dependancen in 92 Ländern rund 300 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Ganz so üppig ist das Schleswig-Holstein-Musikfestival nicht ausgestattet. Dennoch leistete man sich dieses Jahr einen Pop-Weltstar: Sir Elton John eilte am Wochenende in die Kieler Sparkassenarena, um dem Klassikfestival die höheren Popweihen zu verleihen. Im blauen Glitzeranzug sang Sir Elton vor 6000 enthusiasmierten Besuchern zweieinhalb Stunden lang eine Auswahl seiner Songs. Dass es von Elton John noch unbekannte Lieder gibt, ist unwahrscheinlich. Dass es noch unbekannte Bilder von James Rizzi gibt, beweist dagegen seit dieser Woche eine Ausstellung im Frankfurter Hof in Mainz. Unter den 700 Werken des Amerikaners sind einige bislang unveröffentlichte. Die Schau ist bis zum 28. August zu sehen. Auch Sänger ziehen sich manchmal völlig aus der Öffentlichkeit zurück. So wie die große Italienerin Milva, die in den 70er und 80er Jahren mit ihren Chansons ein Superstar war - vor allem in Deutschland. Markante rote Mähne, rauchige Stimme, bei Brecht ebenso zu Hause wie bei Piaf, brillante Schauspielerin: "La Rossa" war die Traum-Italienerin der Deutschen. 2010 verkündete sie ihren Rückzug - gestern wurde sie 75 Jahre alt. Dieter Lintz

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