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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Das Theater wird wieder radikal politisch - und vor allem brandaktuell: Terroristen töten und dabei Zivilisten mit in den Tod reißen? Mehr Sicherheit bieten und dafür Menschen überwachen? Können Bürger noch zwischen richtig und falsch unterscheiden? Das sind die Fragen, die im Stück "Ramstein Airbase: Game of Drones" gestellt werden. Das Staatstheater Mainz widmet sich teils bitterernst, teils humorvoll dem umstrittenen Einsatz von Kampfdrohnen, bei dem auch der rheinland-pfälzische US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein eine zentrale Rolle spielen soll.

Die globale Überwachung und die Folgen für das deutsch-amerikanische Verhältnis fließen dabei mit ein. Heute Abend ist Premiere. Die einen thematisieren den Terror beziehungsweise die Reaktion darauf, der andere legt sich eine Selbstzensur auf. Und dieser andere ist der Komiker Helge Schneider (60), der bei seiner nächsten Tournee auf der Bühne auf Witze über die islamistische Terrorgefahr verzichten will. Schneider, wir erinnern uns, zog sein Hotelzimmer einer Buchhandlung vor, in der er eine Lesung hatte, am nämlichen Abend, als in Hannover das Länderspiel Deutschland-Niederlande wegen einer terroristischen Bedrohungslage abgesagt wurde. Kunst müsse frei von aktueller politischer Thematik sein, sagte Schneider und zeigte sich seinen Fans auf Youtube Mandarinen schälend. Sollte er dies tatsächlich ernst meinen, dürfte er mit dieser Ansicht ziemlich allein stehen. Nun gut, bei seinem genial-blöden Hit "Katzenklo" ist das Politische im Subtext der Botschaft in der Tat nur sehr schwer herauszukristallisieren. Der Jazzmusiker und Komiker scheint sich aber auch bei seinem nächsten Programm ganz a-politisch zu gerieren, wenn man nach dem Titel gehen kann: "Lass knacken, Opa" sei ein Abend "voller Kleinkind-Humor mit der Kneifzange", kündigte er an. Glückliches Osnabrück: Dort hat der garantiert terrorfreie Abend am 3. Februar Premiere. Nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich und die von Natur aus neutrale Schweiz wird Helge Schneider anschließend mit seinem neuen Programm bereisen. Kampflustig wie die Mainzer Theatermacher zeigen sich dagegen Regisseur Volker Lösch und sein Ensemble. Am Samstag hat seine Inszenierung von "Graf Öderland" in Dresden Premiere. Lösch kombiniert den Text von Max Frisch mit Aussagen der selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida), die Dresden zur Hauptstadt der Bewegung auserkoren haben. "Ich finde es erschreckend, wie sich die Stadt verändert hat", sagte Lösch. "Wie sich die Leute beäugen, was für ein Misstrauen nun herrscht. Die Straße ist an die Rechten abgegeben worden." Immerhin hat Lösch den Dresdnern, die unter Pegida leiden, eines voraus: Er wird die Stadt nach der Öderland-Premiere wieder verlassen. no/dpa