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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Der Herbst ist da, die Tage werden kürzer und kälter. Die perfekte Zeit für einen Ausstellungsbesuch.

Und in dieser Woche gehen gleich drei besonders sehenswerte Ausstellungen an den Start. In unserer Haupstadt widmet sich eine Schau der Berliner Gemäldegalerie einem der wohl berühmtesten Maler der italienischen Renaissance: Sandro Botticelli (1445-1510). Die moderne Popkultur hat ihn für sich vereinnahmt wie kaum einen zweiten - Motive seiner Kunst zieren Handtaschen, Tassen und Flipflops. In Berlin sind nun 50 Originalwerke des "Superstars" der Kunst zu sehen, darunter ein seinem Kultbild "Die Geburt der Venus" (um 1484) entstiegener Venus-Akt von 1490. Zusätzlich gibt es 100 Bilder und Objekte von Künstlern, die sich bis heute mit ihm auseinandersetzen - von Andy Warhol bis David LaChapelle. Das Ziel der Kuratoren beschrieb Museen-Generaldirektor Michael Eissenhauer am Mittwoch so: "In einem kunsthistorischen Rückwärtsgang versuchen wir Botticelli freizulegen von den zwiebelartigen Schalen, die sich um ihn herum angereichert haben. Ein neuer Blick auf einen alten Meister." Highlight am Rande: eine begehbare Muschel vor dem Museum, in der sich die Besucher selbst als Venus inszenieren dürfen. Neue, ungewöhnliche Blicke auf ihren "Gegenstand" will auch die Schau "Jesus 2.0" in Braunschweig bieten. Sie zeigt ab Freitag an fünf Ausstellungsorten in der Stadt und in Werken von rund 40 Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts, wie deren Christusbild aussah. Darunter sind Marc Chagall, Max Beckmann und Günter Grass, aber auch der bei dem Terroranschlag in Paris getötete französische "Charlie Hebdo"-Zeichner Tignous (Bernard Verlhac). In Frankreich geht es um ein ganz anderes Thema: die käufliche Liebe. Bis zum 17. Januar stellt das Pariser Orsay-Museum 250 Exponate aus, die sich mit dem Leben von Prostituierten befassen, darunter sind auch Filme und Fotografien. Paris galt im 19. Jahrhundert als Stadt des Lasters. Wie sich das auf die Kunst ausgewirkt hat, soll die Schau ihren Besuchern eindrucksvoll vor Augen führen. Der Einfluss von Siegfried Lenz ("Deutschstunde") auf die deutsche Literatur ist unumstritten. Nach dem Tod des Schriftstellers vor einem Jahr erscheint heute seine letzte Erzählung "Das Wettangeln". Startauflage: 50 000 Exemplare. Laut dem Verlag Hoffmann und Campe ist es ein "typischer Lenz" geworden, der sicher reißenden Absatz findet. Und was im Nachlass des mit 88 Jahren gestorbenen Autors noch an literarischen Kostbarkeiten schlummert, ist noch gar nicht abzuschätzen. cweb/dpa